Zukunftsmusik GREEN PARK
Warum das Stahnsdorfer Großprojekt noch Jahre auf sich warten lässt
STAHNSDORF. Wer beim Großprojekt GREEN PARK Stahnsdorf auf einen baldigen Baustart hofft, sollte seine Hoffnung begraben. Aus einer aktuellen Stellungnahme der Gemeindeverwaltung zu einer Anfrage der AfD Fraktion geht hervor, dass das dringend benötigte Bebauungsplanverfahren (B-Plan) noch in den absoluten Kinderschuhen steckt. Weder ein erster Vorentwurf noch ein konkreter Zeitplan für die kommenden Meilensteine liegen vor. Fest steht im Grunde nur eines: Vor 2027 wird planerisch wohl kaum der entscheidende Durchbruch gelingen.
Derzeit befindet sich das Verfahren in einer sehr frühen Vorbereitungsphase. Immerhin einen kleinen bürokratischen Haken konnte die Verwaltung setzen: Der Landesbetrieb Forst hat eine Teilfläche von rund 4,2 Hektar offiziell als Wald eingestuft. Das hat handfeste Konsequenzen für den anstehenden Umweltbericht. Um überhaupt eine verwertbare Plangrundlage zu erhalten, müssen die Flächen nun exakt vermessen werden. Diese Arbeiten sind immerhin ausgeschrieben und sollen noch im laufenden Jahr über die Bühne gehen. Bei den Waldflächen wird dabei pragmatisch vorgegangen – erfasst werden nur die äußeren Grenzen, nicht jeder einzelne Baum.
Der eigentliche Geduldsfaden der Stahnsdorfer wird jedoch beim Blick auf die Finanzen strapaziert. Die Ausschreibung der eigentlichen Planungsleistungen steht unter einem massiven Vorbehalt: Sie hängt komplett davon ab, ob die erforderlichen Haushaltsmittel im Haushaltsjahr 2027 überhaupt zur Verfügung gestellt werden.
Selbst wenn das Geld fließt, bleibt der Zeithorizont für eine Offenlegung der Pläne oder den finalen Satzungsbeschluss völlig im Dunkeln. Die Verwaltung verweist darauf, dass das Tempo maßgeblich von den geforderten Gutachten der Träger öffentlicher Belange diktiert wird. Ob Verkehr, Lärmimmissionen oder Artenschutz – welche Hürden und Verzögerungsrisiken hier wirklich lauern, wird sich erst zeigen, wenn ein erster Vorentwurf die Behördenrunden durchlaufen hat.
Besonders brisant ist die Situation hinter den Kulissen. Von einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde und dem Vorhabenträger, der Streletzki-Gruppe, kann aktuell keine Rede sein. Es gibt weder regelmäßige Abstimmungsformate noch eine gemeinsame Linie. Stattdessen herrscht ein spürbares Tauziehen um die Zukunft des Areals.
Während die Gemeinde von einem modernen Gewerbepark träumt, hatte der Eigentümer ganz andere Pläne: Er reichte unabhängig einen Antrag auf Vorbescheid für ein riesiges Logistikzentrum inklusive Logistikhallen und Parkhaus ein. Dieser Vorstoß blitzte jedoch beim Landkreis Potsdam-Mittelmark ab und wurde als bauplanungsrechtlich unzulässig abgelehnt.
Die Gemeinde Stahnsdorf sieht ihren eigenen Planungswillen durch das Agieren der Verwaltung dennoch gewahrt. Sobald die Gemeindevertretung irgendwann einen Vorentwurf beschließt, soll dieser nicht nur als Gesprächsgrundlage mit dem jetzigen Eigentümer dienen. Die Verwaltung plant bereits eine offensive Strategie: Der B-Plan-Vorentwurf soll als aktives Werkzeug genutzt werden, um gezielt andere potenzielle Entwickler von Gewerbeparks anzusprechen und das Verfahren so mittelfristig zu beschleunigen. Bis im GREEN PARK die Bagger rollen, dürften dennoch noch viele Jahre vergehen.
Kü
Bild: Green Park (Foto Kü)


