Bald mit dem E-Roller?

CDU/FDP mit Prüfauftrag zur Mobilität in Stahnsdorf

STAHNSDORF. Schick per App aufs Leihrad oder den E-Scooter steigen, um die letzten Meter von der Bushaltestelle nach Hause zu überbrücken: Was in Berlin zum Alltag gehört, könnte bald auch in Stahnsdorf Realität werden – wenn es passt. Die CDU/FDP Fraktion möchte die Verwaltung deshalb offiziell beauftragten, Gespräche mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) über eine Ausweitung des „Jelbi“-Mobilitätsangebots aus dem benachbarten Kleinmachnow aufzunehmen. Doch hinter den Kulissen der beschlossenen Prüfaufträge regt sich bereits Kritik.

Konkret soll die Verwaltung prüfen, wo im Gemeindegebiet feste Jelbi-Stationen eingerichtet werden können. Der Vorteil des BVG-Systems: Im Gegensatz zu klassischen „Free-Floating“-Anbietern, bei denen Roller kreuz und quer auf den Gehwegen landen, werden die Fahrzeuge hier an festen Punkten gebündelt. Gleichzeitig will die Gemeinde die Sondernutzungssatzung verschärfen, um wild abgestellte Leih-Scooter außerhalb des Jelbi-Netzes rechtlich auszubremsen. Das Ziel ist klar: Mehr Mobilität für die Bürger, aber ohne das optische Chaos im Straßenraum.

Doch während urbane Zentren von Car- und Bikesharing profitieren, stellt sich im Umland schnell die Rentabilitätsfrage. Kleinere Kommunen wie Stahnsdorf haben eine deutlich geringere Dichte an potenziellen Nutzern. Sharing-Anbieter verlangen für den Betrieb im ländlicheren Raum oft erhebliche Zuschüsse, da sich die Flotten allein durch die Leihgebühren kaum tragen. Ob die Ausweitung für Stahnsdorf finanziell sinnvoll ist oder zu einem dauerhaften Zuschussgeschäft für den Steuerzahler wird, müssen die anstehenden Verhandlungen mit der BVG und den Betreibern erst noch zeigen.

Ein Blick nach Kleinmachnow, wo das Jelbi-Netz bereits etabliert ist, zeigt Licht und Schatten. Zwar wird die Verknüpfung von Busverkehr und Sharing-Angeboten – die sogenannte „letzte Meile“ – grundsätzlich gelobt. Die Praxis bringt jedoch oft Hürden mit sich: In den Randzeiten oder im Winter sinkt die Nutzung drastisch. Zudem klagen Umland-Kommunen immer wieder über Vandalismus an den Stationen oder darüber, dass Roller trotz Verbotszonen auf Gehwegen oder in Vorgärten abgestellt werden. Die Regulierung über die Satzung ist mühsam und bindet Ordnungskräfte.

Für politischen Zündstoff sorgt derweil ein organisatorisches Detail: Warum wurde die gemeindeeigene Arbeitsgruppe „Mobilitätsagenda“ bei diesem wegweisenden Beschluss komplett außen vorgelassen? Die Gruppe, die genau für solche strategischen Verkehrsplanungen ins Leben gerufen wurde, erfuhr offenbar erst aus den Ausschussunterlagen von den Plänen. Kritiker im Ort fragen sich, warum das Fachwissen engagierter Bürger und Experten nicht von Anfang an eingebunden wurde.

Die Verwaltung soll, wenn der Beschluss angenommen wird, die organisatorischen, planerischen und finanziellen Rahmenbedingungen prüfen und der Gemeindevertretung Bericht erstatten. Dann würde sich zeigen, ob Stahnsdorf tatsächlich die Mobilitätswende einleiten könnte – oder ob das Projekt an den Realitäten der Gegebenheiten scheitert.

Kü

Bild: Symbolbild  (Pixabay)

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