Geht es schnell genug?

FDP-Ortsvorsitzender Julian Regenthal-Patzak fordert mehr Tempo für Stahnsdorf

STAHNSDORF.   Ob es um den schleppenden Verkauf der Villa Pardemann, die schleppende Umsetzung des Beflaggungsbeschlusses oder die stockenden Pläne für einen neuen Soccer-Court geht – in Stahnsdorf herrscht aus Sicht der Freien Demokraten politischer Reformstau. Im Interview spricht Julian Regenthal-Patzak, FDP-Ortsvorsitzender und Gemeindevertreter, über die Defizite in der Verwaltung, bürokratische Hürden und die Strategie der Liberalen, um die Gemeinde wirtschaftlich und sportlich zukunftsfähig zu machen.

Interview

Frage: Die Villa Pardemann steht seit Jahren leer. Mittlerweile müssten alle wesentlichen Gutachten vorliegen. Wie bewertet die FDP das aktuelle Vorgehen der Verwaltung, und wie wollen Sie sicherstellen, dass das Verfahren nicht noch weiter verschleppt wird, sondern zügig ein transparenter Verkauf oder eine tragfähige Verwertung zustande kommt?

Antwort (Julian Regenthal-Patzak): Die Villa Pardemann ist leider ein Paradebeispiel dafür, wie sich kommunalpolitische Entscheidungen über Jahre hinziehen können. Hinzu kommt allerdings ein weiteres Problem: Die Verwaltung lässt bei der Bearbeitung aus meiner Sicht jede erkennbare Eile vermissen. Bereits vor vielen Monaten wurde ein Gutachter mit der Bewertung der Immobilie beauftragt. Nach dessen Auskunft – so sagt es die Verwaltung – wurde zusätzlich ein Holzgutachten erforderlich, das nach unseren Informationen ebenfalls seit einiger Zeit fertiggestellt sein soll. Bis heute liegt uns als Gemeindevertretung jedoch keines dieser Gutachten vor.

Ich frage mich ernsthaft, warum die Verwaltung hier nicht mehr Druck macht. Es geht schließlich um eine gemeindeeigene Immobilie, die seit Jahren leer steht und deren Zustand sich dadurch weiter verschlechtert. Jeder zusätzliche Monat kostet uns Zeit und möglicherweise auch Geld. Ich vermisse hier schlicht den erkennbaren Willen, das Verfahren mit der notwendigen Geschwindigkeit voranzubringen. Wir haben uns als FDP schon früh für einen transparenten, offenen Verkaufsprozess ausgesprochen. Dabei sollten wir potenzielle Interessenten nicht durch überzogene Preisvorstellungen, unnötige Dienstbarkeiten oder zu enge Nutzungsvorgaben von vornherein abschrecken. Was eine solche Immobilie tatsächlich wert ist, zeigt sich letztlich am Markt. Ich erwarte, dass die Verwaltung die Gutachten endlich vorlegt und die Ausschreibung umgehend startet. Die politischen Entscheidungen dazu sind lange getroffen!

Frage: Im Februar 2026 hat die Gemeindevertretung auf Initiative der CDU/FDP-Fraktion die dauerhafte Beflaggung aller öffentlichen Gebäude mit der Bundesflagge beschlossen – als Symbol für unsere verfassungsmäßige Ordnung. Einige Schulen und Teile der Verwaltung standen dem Vorhaben vorab skeptisch gegenüber. Wie zufrieden ist die FDP mit der bisherigen praktischen Umsetzung dieses Beschlusses, und gab es seitens der Institutionen oder Bürger nennenswertes Feedback dazu?

Antwort (Julian Regenthal-Patzak): Ich freue mich nach wie vor, dass wir mit unserem Antrag eine breite Mehrheit in der Gemeindevertretung überzeugen konnten. Schwarz-Rot-Gold steht für unsere freiheitliche Demokratie, unsere Grundrechte und die Werte unseres Grundgesetzes. Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass öffentliche Gebäude diese Farben zeigen. Umso trauriger finde ich, was seit unserem Beschluss im Februar tatsächlich passiert ist.

Vor dem Rathaus sehe ich unsere Bundesflagge. Ansonsten sehe ich vor den öffentlichen Einrichtungen bislang keine neuen Fahnenmasten und auch keine entsprechende Beflaggung. Dabei wurden für das laufende Jahr immerhin 10.000 Euro in den Nachtragshaushalt eingestellt, um mit der Umsetzung zu beginnen. Wo also bleiben die Fahnenmasten? Ich habe zunehmend den Eindruck, dass das Tempo, mit dem die Verwaltung diesen Beschluss umsetzt, ziemlich genau ihrer Begeisterung für das Thema entspricht. Schon im Vorfeld gab es erhebliche Vorbehalte. Nur ist die politische Entscheidung längst getroffen worden. Die Gemeindevertretung hat einen entsprechenden Beschluss gefasst, und dieser muss auch umgesetzt werden.

Stattdessen geistern mittlerweile regelrechte Horrorzahlen durch die Diskussion, wonach die Beflaggung angeblich hohe fünf- oder sogar sechsstellige Beträge kosten soll. Das ist völliger Blödsinn. Ein Fahnenmast kostet 2.000 bis 3.000 Euro. Das ist alles! Selbst die Grünen-Chefin Franziska Brantner hat vor einigen Wochen dazu aufgerufen, Schwarz-Rot-Gold selbstbewusst zu zeigen und die Flagge zu hissen! Auch das brandenburgische Innenministerium lässt inzwischen mehrere Behörden dauerhaft beflaggen. Umso weniger verstehe ich, warum wir in Stahnsdorf bei der Umsetzung unseres längst gefassten Beschlusses offenbar nicht vorankommen und Horrormärchen erzählen. Wer unseren Wunsch nach einer weithin sichtbaren Bundesflagge reflexartig in die rechtsextreme Ecke stellt, macht sich zum unfreiwilligen Helfer genau jener Kräfte, die Schwarz-Rot-Gold für ihre radikalen Ziele vereinnahmen. Es wäre doch absurd, wenn ausgerechnet wir Demokraten unsere Nationalflagge verstecken, während die Feinde unseres Systems sie für sich beanspruchen. Schwarz-Rot-Gold steht für Freiheit, Einigkeit und Recht. Und diese Farben lassen wir uns von niemandem wegnehmen! Der politische Wille ist vorhanden, die Entscheidung ist getroffen, das Geld steht bereit. Was fehlt, ist eine Verwaltungsleitung, die den Beschluss umsetzt.

Frage: Die FDP hatte das Thema eines modernen, frei zugänglichen Soccer-Courts ursprünglich über einen Prüfauftrag auf die politische Agenda gesetzt. Nun macht eine Online-Petition aus der Bürgerschaft massiven Druck auf Bürgermeister Bernd Albers. Wie positioniert sich die FDP zu dieser Bürgerinitiative? Unterstützen Sie die konkrete Forderung nach einem unverzüglichen, verbindlichen Zeit- und Kostenplan für den Standort neben der Feuerwehr?

Antwort (Julian Regenthal-Patzak): Ich freue mich über die Bürgerinitiative mega! Gleichzeitig finde ich es wirklich traurig, dass es überhaupt einer Bürgerinitiative bedarf, um bei einem Vorhaben Bewegung zu erzeugen, das politisch längst auf den Weg gebracht wurde. Bereits im Sommer 2024 haben wir als CDU/FDP-Fraktion einen entsprechenden Prüfauftrag eingebracht. Die SPD hat sich unserem Antrag angeschlossen. Sowohl im Bauausschuss als auch im Sozialausschuss und schließlich in der Gemeindevertretung gab es überwältigende Zustimmung. Der politische Auftrag an die Verwaltung ist also seit mehr als zwei Jahren klar.

Vor etwa einem Jahr habe ich persönlich mit Bürgermeister Bernd Albers in seinem Büro zusammengesessen. Gemeinsam haben wir uns die Pläne für das Gelände neben der Feuerwehr angesehen, um das es auch jetzt wieder geht. Der Bürgermeister war von der Idee angetan, wollte mit dem Landkreis verhandeln und das Projekt voranbringen. Ich hatte damals tatsächlich den Eindruck, dass es nun endlich losgeht. Doch dann passierte wieder wenig. Zwischenzeitlich sollten Jugendliche zu ihren Wünschen befragt werden. Auch daraus wurde bislang nichts. Dann entstand die Idee, den Fußballkäfig möglicherweise in den geplanten Lärchenpark zu integrieren, der durch einen privaten Spender finanziert werden soll. Das mag auf den ersten Blick eine interessante Überlegung sein. Aber ganz ehrlich: Bis dieser Park irgendwann fertig ist, sind die Jugendlichen, die heute einen Fußballkäfig brauchen, vermutlich längst erwachsen! Wir reden hier schließlich nicht über ein Großprojekt, sondern über eine überschaubare Sportanlage, auf der Kinder und Jugendliche unkompliziert und kostenlos Fußball spielen können. Es muss doch möglich sein, in einer Gemeinde wie Stahnsdorf ein solches Vorhaben innerhalb eines vernünftigen Zeitraums auf die Beine zu stellen.

Ich habe zunehmend den Eindruck, dass wir in Stahnsdorf sehr viel Zeit damit verbringen, über Dinge zu sprechen, die wir eigentlich längst auf den Weg gebracht haben. Und ich finde es bedauerlich, dass erst Bürger mit einer Petition Druck machen müssen, damit ein vor mehr als zwei Jahren erteilter politischer Auftrag wieder Aufmerksamkeit bekommt.

Frage: Der geplante Leerzug und Abriss des Green Parks bis Mitte 2026 für ein neues Logistikzentrum trifft auf politischen Widerstand durch Aufstellungsbeschlüsse und Veränderungssperren in der Gemeinde. Rund 100 mittelständischen Gewerbetreibenden wurde bereits gekündigt. Als liberale Wirtschaftspartei stehen Sie für Investitionen – kann sich Stahnsdorf angesichts des drohenden vollständigen Leerstands hier überhaupt eine jahrelange, blockierende Planungsphase leisten? Wie sieht die FDP-Strategie aus, um das Areal wirtschaftlich zukunftsfähig zu machen, ohne das lokale Gewerbe langfristig auszugrenzen?

Antwort (Julian Regenthal-Patzak): Wir haben uns als CDU/FDP-Fraktion zum Schluss gegen das geplante Logistikzentrum ausgesprochen, ebenso wie die anderen Fraktionen in der Gemeindevertretung. Und das aus einem ganz einfachen Grund: Für ein solches Vorhaben gab es in der Bevölkerung keine Mehrheit. Damit ist die Frage nach der Zukunft des Green Parks allerdings noch lange nicht beantwortet. Wir sprechen hier über ein großes Gewerbeareal, auf dem zahlreiche mittelständische Unternehmen ansässig waren. Hinter diesen Betrieben stehen Unternehmer, Arbeitsplätze und wirtschaftliche Existenzen.

Jetzt müssen wir allerdings aufpassen, dass aus der Ablehnung des Logistikzentrums nicht ein jahrelanger Stillstand wird. Denn eines dürfen wir nicht vergessen: Das Grundstück befindet sich in Privatbesitz. Der Eigentümer muss mit einer künftigen Nutzung auch Geld verdienen können. Die Entscheidung gegen das Logistikzentrum ist gefallen. Jetzt müssen wir zeigen, dass wir auch eine realistische Alternative ermöglichen können. Stahnsdorf ist nicht damit geholfen, wenn wir zwar ein unerwünschtes Projekt verhindert haben, am Ende aber ein leerstehendes Gewerbegebiet zurückbleibt.

Die Fragen stellte Christian Kümpel

Bild: Julian Regenthal-Patzak   (Foto Julian Regenthal-Patzak)

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