Der ClaB Stahnsdorf hilft bei Integration
Jetzt Anlaufstelle für Heimbewohner
STAHNSDORF. Wer das Gelände des Jugend- und Familienzentrums „ClaB“ (Club an der Bäke) betritt, merkt sofort: Hier wird weit mehr geleistet als nur klassische Familien- und Jugendarbeit, für die die Einrichtung ursprünglich einstand. Stahnsdorf beherbergt derzeit mehrere hundert Geflüchtete, ein Großteil davon in der Gemeinschaftsunterkunft (GU), wo bis zu 300 Personen untergekommen sind. Das ClaB hat sich, wenn man den Berichten von Nutzern und der Internetseite der Einrichtung glauben darf, in den letzten Jahren jedoch zum zentralen Knotenpunkt für die Integration dieser Menschen entwickelt.
Besonders hervorzuheben ist das wöchentliche Format „Deutsch üben“ (immer donnerstags, 16 bis 18 Uhr), das weit über einen klassischen Sprachkurs hinausgeht. Spezielle Angebote wie Sprachprojekte für Mütter und Vorlesepatenschaften für Kinder aus der Gemeinschaftsunterkunft zielen darauf ab, die Isolation zu durchbrechen, Frauen zu „ermächtigen“ und Bildungschancen zu sichern. Mit welchem Erfolg, das ist schwer zu ermitteln.
Der Träger des Clab selbst ist das EJF (evangelische Jugend- und Fürsorgewerk), ein Unternehmen der Sozialwirtschaft. Das Unternehmen (oft als gemeinnützige AG organisiert) beschäftigt über 5.000 Mitarbeiter an über 250 Standorten. Die Wurzeln des Unternehmens liegen in den sozialen Fragen der Bevölkerungsentwicklung und der industriellen Revolution sowie der kirchlichen Fürsorgearbeit Ende des 19. Jahrhunderts.
Das Jahr 2026 steht im ClaB im Zeichen der praktischen Selbsthilfe. Am 14. April 2026 startet die neue Rad-Reparaturstation. Jeden Dienstag können Jugendliche hier unter Anleitung lernen, ihr Fahrrad selbst verkehrssicher zu machen – ein Projekt, das Nachhaltigkeit und handwerkliches Geschick verbindet.
Gleichzeitig festigt die Einrichtung ihren Ruf als Jugendinformations- und Medienzentrum (JIM). Mit Workshops zu Gaming-Kultur, Cybermobbing und Filmabenden für Eltern („Hilfe! Bei uns ist die Pubertät“) reagiert das Team auf die digitalen Herausforderungen moderner Erziehung. Das Programm für die kommenden Osterferien verspricht zudem eine Mischung aus kreativen Koch-Events und Zeltlagern unter dem Motto „Stahnsdorf – Eine Welt!“.
Trotz der erfolgreichen Arbeit bleibt die rechtliche Konstruktion des ClaB ein Thema für die Lokalpolitik. Das gesamte Gelände ist Eigentum der Gemeinde Stahnsdorf. Das EJF betreibt die Einrichtung lediglich im Auftrag der Kommune.
In den Nutzungsverträgen ist klar geregelt: Die Gemeinde hat das letzte Wort. Bei „dringendem öffentlichem Interesse“ kann die Verwaltung die Nutzung von Räumlichkeiten mit einer Frist von nur 14 Tagen unterbrechen. Theoretisch könnte die Gemeinde den Betrieb sogar ganz einstellen oder den Träger wechseln, sofern die Gemeindevertretung dies beschließt. Experten schätzen die regulären Kündigungsfristen für solche Betreiberverträge auf sechs bis zwölf Monate zum Jahresende. Die Verträge selbst sind nicht öffentlich bekannt.
Aktuell deutet jedoch nichts auf eine Rücknahme des Geländes durch die Gemeinde hin. Das ClaB ist, wenn man ein Fazit ziehen müsste, heute weniger ein „Club“ als vielmehr ein externer Dienstleister für Heimbewohner und den sozialen Zusammenhalt in Stahnsdorf.
PM/Kü
Bild: Clab Stahnsdorf (Foto Gemeinde Stahnsdorf)


