Kleiderberge werden zur Last

STAHNSDORF.    Wer gewohnt war, seine aussortierte Kleidung an der „Waldschänke“ abzugeben, sucht dort seit Kurzem vergeblich. Außerdem quellen die Container zum Beispiel im Enzianweg über. Es ist dasselbe Bild in der Friedrich-Naumann-Straße. Es ist nur zwei von mehreren Ärgernissen, die das Ortsbild in puncto Entsorgung derzeit prägen.

Hauptakteur in der Gemeinde ist das Unternehmen Texaid, das einen Großteil der Altkleidercontainer im Ort bewirtschaftet. Dass die Leerungen in den letzten Monaten nicht immer reibungslos verliefen, hatte einen wirtschaftlichen Hintergrund: Die gesamte Textilrecycling-Branche steckt in einer tiefen Krise. Billigmode aus Fernost („Fast Fashion“) überschwemmt den Markt mit minderwertigen Fasern, die sich kaum noch gewinnbringend recyceln lassen.

Texaid selbst musste ein Sanierungsverfahren durchlaufen, das im März 2026 erfolgreich abgeschlossen wurde. Für Stahnsdorf bedeutet das: Der Entsorgungsbetrieb stabilisiert sich wieder, doch die Herausforderungen bleiben groß. Die Gemeinde versucht, die Standorte an stark frequentierten Straßen zu bündeln, um die soziale Kontrolle zu erhöhen und die Anfahrt für die schweren Entsorgungsfahrzeuge zu erleichtern.

Das größte Ärgernis für Anwohner und Gemeinde bleibt jedoch die Vermüllung. Immer wieder werden die Containerplätze als illegale Müllkippen missbraucht. Das Problem: Sobald ein Sack neben einem vollen Container steht, zieht er innerhalb weniger Stunden weiteren Unrat an.

Die Gemeindeverwaltung mahnt deshalb eindringlich:

  1. Qualität vor Quantität: Nur saubere, tragfähige Kleidung und paarweise gebündelte Schuhe gehören in die Box.
  2. Abfall ist kein Altkleid: Stark verschmutzte Stoffe, Lumpen oder gar Haushaltsmüll gehören in die Restmülltonne, nicht in den Textilcontainer.
  3. Stopp bei Überfüllung: Ist der Container voll, darf nichts daneben abgestellt werden. Durch Feuchtigkeit wird die Kleidung unbrauchbar und muss teuer als teurer Restmüll entsorgt werden – Kosten, die letztlich die Allgemeinheit trägt.

Wer sichergehen möchte, dass seine Kleidung direkt Bedürftigen zugutekommt, kann auf karitative Einrichtungen ausweichen. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) unterhält in der Region Potsdam-Mittelmark ebenfalls Container und Kleiderkammern, die oft eine direktere soziale Verwertung garantieren als rein gewerbliche Sammler.

Fazit: Die Altkleidersammlung in Stahnsdorf ist im Wandel. Während sich die Logistik nach der Texaid-Sanierung neu ordnet, bleibt der Bürger gefragt. Nur wenn die Disziplin an den Standorten stimmt, bleibt das System für die Gemeinde finanzierbar und die Plätze sauber.

PM/Kü

Bild: Altkleidercontainer Enzianweg   (Foto privat)

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