Politische Teilhabe in TKS

Warum der Weg in die Gemeindevertretung kürzer sein könnte als gedacht

REGION.  Wer die Politik in seiner Heimatgemeinde aktiv mitgestalten möchte, steht oft vor der Frage: Welche Gruppierung bietet die besten Chancen für einen Einzug in den Gemeinderat? In der Region Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf zeigt sich nach den Kommunalwahlen 2024 ein interessantes Bild für politisch interessierte Bürger – insbesondere für jene, die sich nicht sofort fest an eine Partei binden wollen.

Ein oft übersehener Aspekt des brandenburgischen Kommunalwahlrechts ist die Offenheit der Wahllisten. Man muss nicht zwingend Mitglied einer Partei sein, um auf deren Liste für die Gemeindevertretung oder Stadtverordnetenversammlung zu kandidieren.

In der Region bietet aktuell vor allem die AfD eine spezifische Chance für Quereinsteiger. Der Hintergrund ist ein praktisches Problem der Partei: Während sie bei den Wahlen 2024 teils deutliche Stimmenzuwächse verzeichnete, mangelt es ihr oft an ausreichendem Personal vor Ort.

  • Teltow: Hier konnte die AfD ihre Sitze von zwei auf fünf mehr als verdoppeln. Dennoch blieben landesweit in Brandenburg nach der Wahl rund 40 Mandate der Partei unbesetzt, weil schlichtweg nicht genug Namen auf den Listen standen. Für Bürger bedeutet das: Wer bereit ist, auf einer solchen Liste zu kandidieren, hat aufgrund der hohen Stimmenanteile der Partei bei gleichzeitig kurzer Liste eine statistisch sehr hohe Wahrscheinlichkeit, tatsächlich ein Mandat zu erhalten.
  • Kleinmachnow: In Kleinmachnow errang die AfD zwei Sitze. Auch hier gilt, wie in ganz Brandenburg, dass die Hürden für eine Listenplatzierung für Parteilose bei Gruppierungen mit geringer Mitgliederbasis oft niedriger sind als bei den etablierten Volksparteien wie CDU oder SPD.

Die Entscheidung für eine Liste wird aber auch von anderen Erwägungen bestimmt. Während der Einzug über die AfD-Liste aufgrund des Kandidatenmangels oft „einfacher“ erscheint, ist die politische Arbeit im Gremium eine andere:

  • Gestaltungsmacht: Etablierte Parteien wie die CDU oder SPD sowie starke lokale Wählergruppen (z. B. „Bürger für Bürger“ in Stahnsdorf) verfügen über größere Fraktionen und sind besser vernetzt.
  • Isolation: In vielen Gemeindevertretungen besteht eine strikte Trennung („Brandmauer“) gegenüber der AfD, was die Durchsetzung eigener Sachanträge erschweren kann. Ob sich das demnächst ändert, ist schwer zu sagen.

Fazit: Für Bürger, die ohne Parteieintritt schnell parlamentarische Erfahrung sammeln wollen, bietet die aktuelle Personalsituation der AfD in Brandenburg eine statistische Abkürzung. Wer jedoch auf breite Bündnisse und direkte Gestaltungsmacht setzt, findet in den vielfältigen Wählergruppen der Region ebenfalls Wege zur Kandidatur – auch als parteiloser Bewerber.

Bild: Symbolbild  (Foto Pixabay)

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