Kommentar zu den Protesten
Gen Z – eine Fußnote der Geschichte?
Deutschland erlebte am Samstag bundesweite Proteste der Initiative „Gen Z regelt“ und sympathisierender Gruppen. Wird daraus eine dauerhafte politische Bewegung oder bleibt am Ende nicht mehr übrig als eine Fußnote der Geschichte – so wie bei den „Klimaklebern“ oder „Fridays for Future“?
Neben überwiegend friedlichen Demonstrationen gab es leider auch gewalttätige Ausschreitungen gegen die Polizei, Pyrotechnik in Menschenmengen und Plünderungen. Solch schockierende Bilder brennender Barrikaden kennen wir vor allem aus dem Ausland, wie zuletzt aus Frankreich, wo das Rathaus in Limoges vollständig zerstört wurde. Diese Ereignisse müssen uns eine Warnung sein: Proteste eskalieren schnell, wenn Zerstörungswut um sich greift.
In Teltow gab es zwar keine Protestumzüge, aber die Pyrotechnik war bis nachts um 1 Uhr zu hören und erinnerte akustisch an Silvester. Gab es am Samstag etwa einen Freibrief für sinnlose Knallerei, nur weil Reformationstag war? Müssen wir uns auch in Deutschland auf eine weitere Eskalation solcher Proteste einstellen, oder gelingt es, dieser Dynamik rechtzeitig entgegenzuwirken?
Die Forderungen der Jugendlichen sind durchaus lobenswert: gegen soziale Ungleichheit, für Generationengerechtigkeit, gegen die Wehrpflicht, für bessere Schulen und bezahlbare Mieten. Aber Demonstrieren allein reicht nicht, wenn man:
- sich danach nur gegenseitig für das „Dabeisein“ auf die Schulter klopft,
- sich sofort wieder in die eigene Social-Media-Blase verkriecht,
- nicht bereit ist, für den von den Eltern und Großeltern erarbeiteten Wohlstand selbst etwas beizutragen,
- nur Forderungen an den Staat stellt, gleichzeitig aber die Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance einfordert.
Veränderungen erreicht man nur, indem man sich aktiv einbringt. Das erfordert mehr Zeit und Ausdauer, als zwei Stunden auf einer Demo mitzulaufen und TikTok-Videos zu kommentieren. Es bedeutet tatkräftige Mitarbeit in Kommunalparlamenten: Vorlagen studieren, stundenlang in Sitzungen sitzen und Anträge schreiben, um Mehrheiten zu gewinnen.
Aber wer sitzt in den Kommunalparlamenten? Die Generation Z sucht man beispielsweise in der Teltower Stadtverordnetenversammlung vergeblich. Dabei will die Jugend von heute doch so früh wie möglich erwachsen sein, fordert begleitetes Fahren, begleitetes Trinken und Autonomie bei der Mediennutzung.
Liebe Generation Z: Wenn ihr etwas verändern wollt, müsst ihr selbst aktiv werden. Wohlstand fliegt niemandem wie eine gebratene Taube zu, er muss jeden Tag hart erarbeitet werden. Bringt euch mit frischen Ideen in die Parteien und eure Gemeinde ein – zum Beispiel als sachkundige Einwohner oder später auf Wahllisten. Ansonsten bleibt euch in Zukunft nur die stumpfe Erinnerung: „Ich war einmal Teil der Gen Z“ – mehr aber auch nicht.
Herzlich
Guido Jülich


