Verdacht bestätigt

Illegale Fütterungen locken Wildschweine in Wohngebiete

REGION.   Lange Zeit war es nur eine böse Vorahnung von Jägern und Behörden, doch nun herrscht Gewissheit: Der Verdacht, dass Anwohner gezielt Wildschweine füttern, hat sich offiziell bestätigt. Den unumstößlichen Beweis lieferte jüngst eine Beobachtung im Berliner Randbezirk Zehlendorf. Im Schönower Park wurde am helllichten Tag eine Frau in einer auffälligen roten Jacke dabei ertappt, wie sie seelenruhig eine vierköpfige Wildschweingruppe direkt aus ihrem Rucksack fütterte. Was manche fälschlicherweise als Tierliebe betrachten, verschärft die ohnehin angespannte Situation in den Wohngebieten massiv. Einzelfälle sind das nicht: Immer wieder stößt man im Gebüsch auf ausgelegtes altes Brot, Vollkornnudeln oder sogar Kartoffelchips.

Dieser Vorfall wirft auch ein Schlaglicht auf die unmittelbar angrenzende Nachbarregion Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf (TKS). Hier kämpfen die Gemeinden seit Jahren mit einer extrem hohen Wildschweinpopulation in urbanen Räumen. In Kleinmachnow und Stahnsdorf gehören zerstörte Vorgärten, aufgehebelte Gartentore und durchwühlte Parkanlagen fast schon zum Alltag. Die Tiere drücken Holzzäune herunter und kippen ungesicherte Mülltonnen um, um sich im Wohngebiet Speck für ihre Wintermast anzufressen. Während die Kommunen mit Bejagungen und Aufklärung gegensteuern, konterkarieren uneinsichtige Bürger diese Arbeit. Auch in Teltow wurden vermehrt illegale Futterstellen im direkten Umfeld von Wohnsiedlungen entdeckt. Damit steht fest, dass die Rotten nicht mehr nur zur natürlichen Nahrungssuche die Wälder verlassen, sondern systematisch in die Orte gelockt werden.

Die Folgen dieser Fütterungen sind fatal. Wildschweine verlieren dadurch ihre natürliche Scheu vor dem Menschen und verbinden Wohngebiete direkt mit einer leichten Nahrungsquelle. Dies führt dazu, dass Bachen ihre Frischlinge mitten in den Siedlungen großziehen und die Tiere sogar mitten am Tag durch die Straßen ziehen. Die Population wächst unkontrolliert weiter, die Zahl der Wildunfälle im Stadtgebiet steigt, und die Gefahr von gefährlichen Begegnungen zwischen Mensch, Hund und Schwarzwild nimmt drastisch zu. Besonders Eltern, die mit ihren kleinen Kindern die Spielplätze in den Parks besuchen, sorgt die schwindende Scheu der Tiere. Zudem sind viele der verfütterten Lebensmittel schädlich für die Tiere, und die künstliche Konzentration erhöht das Risiko für die Ausbreitung von Krankheiten.

Wer die Tiere füttert, muss mit empfindlichen Konsequenzen rechnen. Das Füttern von Wildtieren ist sowohl nach dem Berliner als auch nach dem Brandenburgischen Landesjagdgesetz strikt verboten und stellt eine erhebliche Ordnungswidrigkeit dar. Die Behörden betonen, dass bei Verstößen konsequent durchgegriffen wird: Personen, die illegal Wildtiere füttern, drohen rechtliche Schritte und gesetzliche Strafen, die mit einem Bußgeld von bis zu 5.000 Euro geahndet werden können. Allerdings werden die Täter selten erwischt. 

Die Kommunen und Bezirke appellieren daher eindringlich an die Bevölkerung, jegliche Fütterung zu unterlassen und stattdessen auch Gartenabfälle oder Fallobst wildschweinsicher zu entsorgen. Doch solange einige Wildtier-Messis die Gegend unsicher machen, wird sich das Problem nicht lösen lassen. Hier müssten die Ordnungsbehörden ansetzen. 

Kü

Bild: Symbolbild   (Foto Pixabay)

 

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