Keine Debatte an der CDU-Basis
Zwischen Brandbriefen und kommunalem Schweigen
POTSDAM-MITTELMARK. Der Unmut an der märkischen CDU-Basis wächst, doch im Netz herrscht vorauseilende Harmonie. Nach dem jüngsten Treffen von Bundeskanzler Friedrich Merz mit Dutzenden CDU-Kreisvorsitzenden in Berlin brechen die Dämme. Kritik wird überall laut. Während namhafte Vertreter aus Brandenburg von einer Realitätsverweigerung des Kanzlers sprechen, zeigen sich aber die offiziellen Webseiten der Ortsverbände in Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf von der innerparteilichen Zerreißprobe völlig unbeeindruckt.
Hinter den Kulissen brennt es lichterloh. Die Unzufriedenheit über den Kurs der Bundesregierung und die Performance des Kanzlers hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Besonders deutlich wurde die Brandenburger Bundestagsabgeordnete Saskia Ludwig, die in der Berliner Zeitung harte Töne anschlug. Ludwig sprach mit Blick auf den Auftritt des Kanzlers von einer gravierenden Realitätsverweigerung und zog sogar einen drastischen Vergleich zu SED-Bonzen, die den Kontakt zur Bevölkerung verloren hätten.
Auch der Kreisvorsitzende von Potsdam-Mittelmark, Christian Große, reiste mit viel Kritik im Gepäck aus Berlin ab. Große bestätigt eine tiefe Verunsicherung und Frustration unter den Mitgliedern vor Ort. Viele hätten das Gefühl, dass die Sorgen der Menschen im ländlichen und suburbanen Raum in der Bundeshauptstadt nicht mehr adäquat gehört werden. Die Warnung aus Potsdam-Mittelmark ist unüberhörbar: Wenn die Bundespolitik die wirtschaftlichen und sozialen Sorgen der Bürger nicht entschlossener anpackt, treibt dies den politischen Rändern im Land weiter Zulauf in die Arme. In Brandenburg wäre damit vermutlich die AfD gemeint.
Wer nun allerdings erwartet, diesen flammenden Protest auf den digitalen Kanälen der lokalen CDU-Verbände im TKS-Raum wiederzufinden, wird aber enttäuscht. Auf den Webseiten und Social-Media-Kanälen in Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf regiert die heile Welt der Kommunalpolitik. Dort wird über die Sanierung von Kitas debattiert, über den aktuellen Gemeindehaushalt berichtet oder zum lokalen Vereinsfest eingeladen. Die bundespolitische Krise und die scharfe Kritik der eigenen Parteikollegen an der Parteispitze existieren in der digitalen Außendarstellung schlichtweg nicht.
Dieser Kontrast offenbart ein strategisches Dilemma. Um die Wähler vor Ort nicht mit den Dauerkonflikten der Bundesebene zu verschrecken, flüchten sich die Ortsverbände in die reine Sacharbeit für die Gemeinde. Doch an der Basis wächst der Druck, dieses Schweigen zu brechen. Für die CDU in Potsdam-Mittelmark wird der Spagat zwischen der bitteren Realität an der Basis und der harmonischen Digital-Fassade in den kommenden Monaten vor der Wahl zu einer der größten Zerreißproben. Am Ende nährt das sterile Beschweigen der Krise vor Ort nämlich nur den Verdacht der Mutlosigkeit – und genau diese wahrgenommene Schwäche ist im politischen Raum oft fataler als das offene Wort.
Kü
Bild: Symbolbild (Foto Pixabay)


