Stahnsdorfs „Puzzlestück“
Ein Wettbewerb mit Maßstäben
STAHNSDORF. 30 Planungsbüros ringen derzeit um die Gestaltung des neuen S-Bahn-Quartiers in Stahnsdorf. Während die Gemeinde auf ein präzises Modell-Verfahren setzt, zeigt ein Vergleich mit anderen Großprojekten: Stahnsdorf wählt einen Weg, der architektonische Exzellenz mit digitaler Bürgerbeteiligung vereint.
Stahnsdorf steht vor einem historischen Umbruch. Mit der Einreichung der Wettbewerbsunterlagen von 30 Architekturbüros Ende März hat die Planung für das S-Bahn-Quartier eine entscheidende Phase erreicht. Das Verfahren erinnert in seiner Akribie an prominente Vorbilder wie die Gestaltung der HafenCity in Hamburg oder das Europaviertel in Berlin. Doch Stahnsdorf setzt eigene Akzente – vor allem bei der Präzision und der Einbindung der Bewohner.
Das Modell als Schlüssel
Ein besonderes Detail des Stahnsdorfer Wettbewerbs ist die „Puzzle-Methode“: Bis zum 6. Mai müssen die Teilnehmer 3D-Modelle liefern, die exakt in eine vorhandene Kunststoff-Schablone des Gemeindegebiets passen. Dieser Fokus auf die räumliche Einpassung ist ein bewährtes Mittel der Stadtplanung, wie man es auch beim Wettbewerb für das Siemensstadt Square in Berlin sah. Dort wie hier geht es darum, dass sich die Neubauten nicht als Fremdkörper, sondern als organischer Teil in das bestehende Umfeld einfügen.
Bürgerbeteiligung: Digital statt nur analog
Während bei klassischen Wettbewerben der Vergangenheit oft nur eine Fachjury entschied, geht Stahnsdorf einen Schritt weiter. Zwar bleibt die Entscheidung des Preisgerichts Ende Mai zunächst fachgebunden, doch im Sommer 2026 folgt ein moderner Partizipationsschritt: Die Bürgerbefragung über die Online-Plattform „Polyas“.
Vergleicht man dies mit dem „Kooperativen Werkstattverfahren“ für das Berliner Rathausforum, fällt auf, dass Stahnsdorf auf eine rechtssichere digitale Lösung setzt. Während in Berlin oft langwierige Präsenz-Workshops das Bild prägten, ermöglicht die Online-Beteiligung in Stahnsdorf eine breitere Teilhabe der Bevölkerung an der Optimierung des Siegerentwurfs.
Der Weg zum Rahmenplan
Das Ziel ist ehrgeizig: Aus dem Siegerentwurf soll ein umsetzungsfähiger Rahmenplan werden. In Städten wie München hat sich gezeigt, dass diese Phase der „Vertiefung“ nach dem Wettbewerb die wichtigste ist. Hier entscheidet sich, ob die Visionen der Architekten im Alltag der Menschen funktionieren – etwa bei der Anbindung von Radwegen oder der Qualität der Grünflächen.
Termine für die Bürger
Bevor die Jury tagt, haben die Stahnsdorfer das Wort – zumindest visuell. Vom 21. bis 23. Mai werden die Planunterlagen in der Sporthalle des Lindenhof-Hortes ausgestellt. Es ist die Chance, einen Blick auf die Zukunft der Gemeinde zu werfen, bevor die Politik und die Fachjury die Weichen für die Realisierung stellen.
PM/Kü
Bild: Symbolbild (Foto Pixbay)


