Bankenlandschaft in Stahnsdorf

SPD Stahnsdorf fordert Masterplan für den öffentlichen Raum

STAHNSDORF.   In Stahnsdorf soll Sitzen Zukunft haben. Die SPD-Fraktion hat einen Antrag eingebracht, der die Gemeindeverwaltung verpflichtet, ein umfassendes „Sitzplatzkonzept“ zu entwickeln. Ziel ist nicht nur die bloße Aufstellung neuer Bänke, sondern eine strategische Aufwertung der Gemeinde durch Bürgerbeteiligung und digitale Transparenz.

Der Antrag der Sozialdemokraten betont die soziale Funktion des Verweilens. Sitzbänke seien weit mehr als Stadtmöblierung: Sie sind Rastplätze für Senioren, Beobachtungsposten für Eltern auf Spielplätzen und Treffpunkte für Jugendliche. Besonders für Menschen mit eingeschränkter Mobilität entscheiden ausreichend vorhandene Bänke oft darüber, ob ein Weg zu Fuß überhaupt noch bewältigt werden kann.

„Sitzbänke tragen wesentlich zur Aufenthaltsqualität und zur Fußgängerfreundlichkeit in der Gemeinde bei“, heißt es in der Begründung des Antrags. Damit Stahnsdorf attraktiver wird, soll Bürgermeister Bernd Albers nun beauftragt werden, eine priorisierte Standortliste vorzulegen.

Ein Kernpunkt des Antrags ist die aktive Einbindung der Stahnsdorfer. Die SPD schlägt vor, Ideen für Standorte und die Art der Möbel – von der klassischen Parkbank bis zur modernen Liege – direkt bei der Bevölkerung abzufragen. Als Vorbild dient hierbei ein Online-Beteiligungsformat der Stadt Freiburg, das zeigt, wie digitale Teilhabe die Akzeptanz solcher Projekte steigern kann.

Nach Abschluss der Planungen sollen alle Standorte – ob alt oder neu – in einem digitalen Kataster auf der Homepage der Gemeinde veröffentlicht werden. Dies soll die Orientierung im Ort verbessern und die Transparenz erhöhen.

Trotz der positiven Intention gibt es Punkte, die in der Gemeindevertretung für Diskussionen sorgen könnten:

  1. Die Personalfrage: Die Erarbeitung eines solchen Konzepts sowie die laufende Pflege eines digitalen Katasters binden erhebliche Kapazitäten in der Verwaltung. Hier muss geklärt werden, ob das Rathaus dies ohne externe Unterstützung leisten kann.
  2. Folgekosten im Blick: Eine neue Bank ist schnell aufgestellt, doch die langfristige Wartung (Vandalismus, Reinigung, Materialermüdung) kostet dauerhaft Geld. 
  3. Interessenkonflikte: Was die Jugendlichen als attraktiven Treffpunkt schätzen, sorgt bei Anwohnern oft für Sorgen vor Lärmbelästigung. Das Konzept müsste daher zeigen, wie Nutzungskonflikte moderiert werden.
  4. Barrierefreiheit: Während das Konzept die Mobilität fördert, müssen die Details stimmen. Fachleute weisen darauf hin, dass Bänke ohne Armlehnen für viele Senioren kaum nutzbar sind, da die Aufstehhilfe fehlt.

Der Vorstoß der SPD ist ein wichtiger Schritt, denn die Gemeinde altert rapide und braucht eine entsprechende altersgerechte Infrastruktur. Er rückt außerdem die „Mobilität zu Fuß“ in den Fokus, die oft im Schatten großer Infrastrukturprojekte steht. Ob aus der Vision ein Erfolg wird, hängt aber davon ab, ob die Bürgerbeteiligung stattfindet und die Gemeinde bereit ist, die notwendigen Mittel für die Umsetzung und die Pflege der Bänke bereitzustellen. Angesichts der Haushaltsnot muss hier ein großes Fragezeichen gesetzt werden.

Bild: Symbolbild  (Foto Pixabay)

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