WAZV prüft eigenes Klärwerk

Droht den Bürgern eine Verdopplung der Abwassergebühren?

REGION. In den kommenden Monaten könnten in der Region Teltow wegweisende Entscheidungen über die Zukunft der lokalen Infrastruktur fallen. Im Zentrum steht eine fundamentale Frage: Bleiben die Kommunen von den Berliner Wasserbetrieben (BWB) abhängig oder wagt der Wasser- und Abwasserzweckverband (WAZV) „Der Teltow“ den Schritt in die Autarkie? Eine aktuelle Anfrage des Abgeordneten Klaus Morian (AfD) an den Zweckverband bringt nun konkrete Zahlen, logistische Herausforderungen und erhebliche finanzielle Risiken für die Bürger von Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf ans Licht.

Bislang läuft die Abwasserentsorgung der drei Mitgliedsgemeinden des WAZV über das Klärwerk Stahnsdorf, welches sich im Eigentum der Berliner Wasserbetriebe befindet. Die Preise für die Reinigung des Schmutzwassers sind in einem laufenden Abwasservertrag geregelt und steigen jährlich über eine vertraglich fixierte Preisgleitklausel.

Ein Angebot der Berliner Seite für eine extrem langfristige Partnerschaft – etwa über 80 Jahre – oder gar eine finanzielle Beteiligung des WAZV am Stahnsdorfer Klärwerk liegt derzeit nicht vor. Auf die Anfrage von Klaus Morian hin teilte der Verband mit, dass man sich in einer passiven Rolle befinde. Klarheit über die langfristige finanzielle Belastung wird es wohl erst im November 2026 geben: Dann wollen die BWB ihre zukünftigen Konditionen für die Abwasserabnahme und -reinigung vorlegen.

Parallel dazu planen die BWB einen eigenen Ersatzneubau des Klärwerks Stahnsdorf – ein Riesenprojekt, das vollkommen in Berliner Eigenregie läuft. Der WAZV ist an diesen Planungen nicht beteiligt. Lediglich die technische Umbindung der Leitungen – Neuverknüpfung – vom Alt- an das Neuwerk wird abgestimmt, um sicherzustellen, dass die Toilettenspülungen in der Region auch am Tag der Inbetriebnahme nahtlos weiterfunktionieren.

Für den Fall, dass die Verhandlungen mit Berlin im Herbst scheitern oder die Preise ins Unermessliche steigen, muss der WAZV Alternativen prüfen. Doch Autarkie hat ihren Preis. Nach ersten groben Schätzungen und dem Vergleich mit ähnlichen Objekten würde der Neubau eines eigenen Klärwerks, das auf die Dimensionen des WAZV (ca. 95.000 Einwohnerwerte) ausgelegt ist, rund 150 Millionen Euro brutto kosten.

In dieser gigantischen Summe sind nicht nur die Kosten für das Klärwerk selbst und das Grundstück enthalten, sondern auch rund 35 Millionen Euro für die notwendige Erschließung am neuen Standort. Ob das Eigenkapital des WAZV ausreicht, um die dafür notwendigen Kredite zu stemmen, ist eine der Kernfragen, die die Kommunalpolitik in den kommenden Monaten beschäftigen wird.

Entgegen der landläufigen Meinung, dass Abwasser meist im natürlichen Gefälle abfließt, wird das Schmutzwasser aus dem Verbandsgebiet derzeit komplett über Abwasserdruckleitungen zum bestehenden Klärwerk transportiert. Sollte ein neuer Standort gesucht werden, ist der WAZV bestrebt, den Aufwand so gering wie möglich zu halten.

Aus diesem Grund favorisiert der Verband einen Standort, der räumlich nicht allzu weit vom aktuellen Werk entfernt liegt. Das Ziel: Die bestehenden Druckleitungen sollen im Wesentlichen nur verlängert werden, um den kostspieligen Neubau von Haupttrassen zu minimieren. Ein juristisches Hindernis gibt es hierbei glücklicherweise nicht: Die bestehenden Leitungen verlaufen in öffentlichen Straßen und Wegen. Eine Verlängerung ist daher im öffentlichen Raum möglich, ohne dass dafür eine Genehmigung der Berliner Wasserbetriebe eingeholt werden muss.

Die weitreichendste Nachricht für die Verbraucher betrifft jedoch das Portemonnaie. Schon jetzt steht fest: Egal, ob der WAZV ein eigenes Werk baut oder weiterhin Verträge mit Berlin abschließt – das Abwasser wird teurer.

Sollte sich der Verband jedoch für den Bau eines eigenen Klärwerks für die 95.000 Einwohnerwerte entscheiden, droht ein finanzieller Schock. Nach offiziellen Berechnungen des WAZV müsste in diesem Szenario mit einer Verdopplung der derzeitigen Abwasserreinigungskosten gerechnet werden. Da diese Kosten einen wesentlichen Bestandteil der Schmutzwassergebühr ausmachen, dürften die monatlichen Gebührenbescheide für die Einwohner spürbar in die Höhe schießen.

Die kommenden Wochen bis zum November werden zeigen, welchen Weg der WAZV einschlagen wird. Klar ist schon jetzt: Die Entscheidung zwischen teurer Berliner Partnerschaft und noch teurerer Unabhängigkeit wird die Region noch Jahre beschäftigen.

Kü

Bild: Symbolbild   (Foto Pixabay)

 

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