Agenda-Gruppe Mobilität im Gespräch

Guido Zielke zu aktuellen Fragen

Guido Zielke ist der neue Sprecher der Agenda-Gruppe Mobilität in Stahnsdorf. Sie hat die Aufgabe, die Mobilitätsentwicklung des Ortes zu begleiten und ihre Expertise einzubringen. Mit Zielke hat sie einen erfahrenen Verkehrsexperten als Sprecher. Der BÄKE Courier hat ihm ein paar Fragen gestellt.

Wie definieren Sie Ihre Aufgabe und die Rolle der Agenda-Gruppe Mobilität in Stahnsdorf?

Antwort: Unsere Kernaufgaben haben wir detailliert auf der Website der Gemeinde veröffentlicht. Das Besondere an unserer Gruppe ist die interdisziplinäre Zusammensetzung: Wir vereinen Experten aus dem Bau- und Planungsrecht, dem Straßenverkehrs- und Wirtschaftsrecht sowie Fachleute für Verkehrssicherheitsarbeit. Durch diese gebündelte Kompetenz sind wir in der Lage, die Diskussionen in der Gemeinde fachlich fundiert zu begleiten. Denn eines ist klar: Jede bauliche Planung und deren Umsetzung hat unmittelbare Auswirkungen auf die Verkehrsströme in unserem Ort.

Ein aktuelles Streitthema ist die Entwicklung im Green Park. Wie positioniert sich Ihre Gruppe zu den dortigen Logistik-Plänen?

Antwort: Wir haben hier eine klare Position: Ein Logistikstandort im Green Park wäre für die Zukunft Stahnsdorfs äußerst abträglich. Hier sehen wir keinen Spielraum für Kompromisse, da selbst eine reduzierte Anzahl an Hallen ein Verkehrsaufkommen generiert, das die Lebensqualität der Bewohner massiv beeinträchtigen würde.
Wir befürworten die kommende Veränderungssperre, sofern sie mit einem Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan (B-Plan) kombiniert wird, der gezielt attraktive Investoren anspricht. Dabei sollte der Fokus eher auf einer höheren Geschossflächenzahl (GFZ) als auf der Grundflächenzahl (GRZ) liegen, um dem Charakter eines „grünen Gewerbestandorts“ gerecht zu werden. Mit dem künftigen S-Bahn-Anschluss wird die Nachfrage nach solchen modernen Flächen ohnehin steigen.

In Richtung Südosten ist zudem ein „Hybrid-Kraftwerk“ geplant. Wie bewerten Sie dieses Großprojekt?

Antwort: Das Vorhaben würde über 1,3 Millionen Quadratmeter Freifläche beanspruchen, was das Landschaftsbild massiv zerstören würde. Für die Stahnsdorfer ist genau dieses Landschaftsbild ein hohes Gut – für viele endet der Berliner Ballungsraum gefühlt an der L 40.
Zudem müssen wir strategisch denken: Durch den S-Bahn-Zuzug wird der Siedlungsdruck enorm wachsen. Die Gemeinde kann darauf entweder mit Innenverdichtung oder mit neuen Flächen entlang der L 77 N reagieren. Diese Optionen müssen wir uns für die Zeit nach 2032 offenhalten. Die geplante lange Laufzeit des Hybrid-Kraftwerks würde diese notwendige Stadtentwicklung jedoch blockieren.

Auch der S-Bahn-Wettbewerb sorgt für Diskussionsstoff. Wo sehen Sie dort die größten planerischen Mängel?

Antwort: Es war aus meiner Sicht problematisch, den städtebaulichen Wettbewerb ohne ein vorheriges Verkehrsgutachten auszuloben. Angesichts der zu erwartenden Herausforderungen muss dies fachlich zwingend nachgeholt werden. Es ist wenig verantwortungsvoll, den Anwohnern der Sputendorfer Straße, des Enzianwegs oder der Mühlenstraße Beschränkungen des Durchgangsverkehrs zum Bahnhof zu versprechen, wenn die Straßenverkehrsbehörde dies aufgrund bestehender B-Pläne rechtlich gar nicht umsetzen kann. Diese Verkehrsproblematik wird sich zudem durch den geplanten zweiten S-Bahnhof an der Iserstraße weiter verschärfen.

Fragen von Kü

Bild: Guido Zielke   (Foto privat)

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