Geruchscheck am Dorfplatz

Stinken Lamas wirklich?

STAHNSDORF.    Um die Haltung der Lamas am Dorfplatz ist eine Debatte entbrannt. Das Hauptargument der Kritiker: eine unzumutbare Geruchsbelästigung. Deswegen scheint auch eine Mehrheit in der Gemeindevertretung der Ansicht zu sein, die Lamas müssten weg. Doch hält dieser Vorwurf einem Praxistest stand? Ein Blick auf die Biologie der Tiere zeigt, dass Lamas im Vergleich zu Pferden die deutlich „geruchloseren“ Nachbarn sind.

Die Fakten im Check:

  1. Reinliche „Toilettengänger“: Im Gegensatz zu Pferden, die ihre Äpfel überall auf der Fläche verteilen, nutzen Lamas feste Kotplätze. Diese Disziplin sorgt dafür, dass nicht die gesamte Weide ausdünstet, sondern der Mist gezielt und einfach entfernt werden kann.
  2. Trockene Pellets statt Ammoniak: Der Kot von Lamas ist klein, fest und extrem trocken. Da er kaum Feuchtigkeit enthält, findet kaum ein Zersetzungsprozess statt, der den typisch stechenden Ammoniakgeruch (wie man ihn oft aus Pferdeställen kennt) erzeugt. Fachleute stufen Lama-Mist als nahezu geruchsneutral ein.
  3. Wenig Eigengeruch: Während Pferde durch Schweiß und Hautdrüsen einen markanten Eigengeruch verströmen, besitzen Lamas kaum Wollfett (Lanolin). Ihr Vlies riecht daher selbst bei Regen kaum – viele empfinden den Geruch eher als dezent und neutral.

Bevor die Lama-Haltung am Dorfplatz aufgrund von Gerüchten beendet wird, sollten alle Bürger sich selbst ein Bild machen. Ein Besuch vor Ort zeigt meist schnell: Wo man bei Pferden oft schon aus der Ferne den Stall riecht, bleibt die Nase am Lama-Gehege meist unbeeindruckt. Die Bürger werden feststellen, dass der Vorwurf des „Gestanks“ biologisch kaum haltbar ist. Die Tiere sind von Natur aus auf maximale Hygiene und minimale Geruchsbildung programmiert.

Allerdings kann es sein, dass Menschen trotzdem Gerüche wahrnehmen, wo keine sind. Das nennt man Phantosmie. Es riecht plötzlich nach Mist – doch weit und breit ist keine Quelle zu finden. Was wie eine Szene aus einem Mystery-Thriller klingt, ist für viele Menschen Realität. In der Medizin wird dieses Phänomen Phantosmie genannt. Doch wie entstehen diese Geruchshalluzinationen?

Normalerweise funktioniert Riechen wie ein Schlüssel-Schloss-Prinzip: Duftmoleküle landen auf den Riechschleimhäuten, lösen elektrische Impulse aus, und das Gehirn interpretiert diese als „Rose“ oder „Kaffee“. Bei einer Phantosmie feuert dieses System ohne äußeren Reiz. Das Gehirn „erfindet“ einen Geruch, oft weil die Kommunikation zwischen Nase und Riechkolben gestört ist. Die Ursache? Zum Beispiel, weil man glaubt, die Ausscheidungen der Lamas müssten riechen und dann riecht man sie tatsächlich. Wenn das so ist, dann haben die Betreibe der Lama-Farm keine Chance, mit der Geruchslosigkeit zu argumentieren. Denn wie meint Hans von Foerster: „Die Umwelt, so wie wir sie wahrnehmen, ist unsere Erfindung.“ Und wenn man Gerüche „erfindet“, dann sie sie für den Betroffenen auch echt, selbst wenn sie es nicht sind. 

Bild: Symbolbild   (Foto Pixabay)

 

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