Weichenstellung für 2027
Stahnsdorf plant externe Expertise zur Haushaltskonsolidierung
STAHNSDORF. Die Gemeinde Stahnsdorf steht vor einer finanziellen Herkulesaufgabe. Während die aktuelle Haushaltssatzung 2025/2026 noch durch Rücklagen ausgeglichen werden kann, zeichnet sich im mittelfristigen Finanzplan ein strukturelles Defizit ab. Um gegenzusteuern, bevor ein gesetzlich verpflichtendes Haushaltssicherungskonzept greift, plant die Verwaltung die Beauftragung des Instituts für Public Management (IPM). Ziel ist ein strategischer Bericht, der als verbindliche Grundlage für die Haushaltsaufplanung ab 2027 dienen soll.
Die Ausgangslage: Investitionen vs. Konsolidierung
Stahnsdorf hat massiv in seine Infrastruktur investiert. Zwei Großprojekte dominieren die Finanzplanung:
- Neubau von Feuerwehr und Schule: Mit einem Volumen von ca. 35 Millionen Euro belasten diese Vorhaben die Liquidität erheblich.
- Schulentwicklung: Der Bedarf an Betreuungsplätzen erfordert kontinuierliche Investitionen in Gebäude und Ausstattung.
- Strukturelles Defizit: Die laufenden Ausgaben steigen schneller als die Einnahmen, was rechnerisch nur noch über das „Aufzehren“ von Ersparnissen (Ergebnisrücklagen) ausgeglichen wird.
Das Institut für Public Management (IPM) ist auf die Beratung der öffentlichen Hand spezialisiert. In Kommunen wie Springe, Wedel oder Elsteraue hat das Institut bereits ähnliche Prozesse begleitet.
Der Fokus in Stahnsdorf liegt darauf, Potenziale zu finden, ohne die Bürger durch höhere Steuern (Grundsteuer/Gewerbesteuer) zu belasten oder Kernaufgaben zu streichen:
- Effizienz in der Verwaltung: Digitalisierung von Prozessen und Prüfung der Sachkosten (z.B. zentraler Einkauf).
- Interkommunale Zusammenarbeit: Kostenteilung mit Nachbargemeinden (Teltow, Kleinmachnow) in Bereichen wie IT oder Spezialämtern.
- Aufgabenkritik: Prüfung von Standards (z.B. wie oft werden Grünflächen gemäht?) und Priorisierung von freiwilligen Leistungen.
- Einnahmenoptimierung: Überprüfung von Gebührensatzungen (Friedhöfe, Sportstätten, Subvention Essen), um eine bessere Kostendeckung zu erreichen.
Vor- und Nachteile der externen Analyse
Vorteile | Nachteile |
Objektivität: Der „Blick von außen“ identifiziert Sparpotenziale, die intern politisch schwer durchsetzbar sind. | Kosten: Die Beauftragung des Instituts stellt zunächst eine zusätzliche finanzielle Belastung dar. |
Benchmarking: Vergleich mit anderen Kommunen zeigt auf, wo Stahnsdorf überdurchschnittlich viel ausgibt. | Akzeptanz: Vorschläge könnten bei Bürgern oder Verwaltungsmitarbeitern auf Widerstand stoßen. |
Politische Basis: Ein neutrales Gutachten dient als sachliche Argumentationshilfe für den Gemeinderat. | Umsetzungsdruck: Ein Bericht allein spart kein Geld – die Politik muss die Maßnahmen konsequent beschließen. |
Die Beauftragung des IPM ist ein präventiver Schritt. Statt abzuwarten, bis das Land Brandenburg die Finanzhoheit durch ein striktes Sicherungskonzept einschränkt, agiert Stahnsdorf proaktiv. Der Erfolg der Maßnahme wird jedoch maßgeblich davon abhängen, wie mutig die Gemeindevertretung die Ergebnisse des IPM ab 2027 in reale Spar- oder Umstrukturierungsbeschlüsse umsetzt.
PM/Kü


