Anwohner-Protest gegen Stadtfest-Pläne

Stadtzentrum in Gefahr

TELTOW.   Die Stadtverwaltung Teltow plant, das traditionsreiche Stadtfest in diesem Jahr einmalig vom angestammten Standort in der Rheinstraße direkt in die historische Altstadt zu verlegen. Was die Stadt als kosteneffiziente Lösung präsentiert, sorgt bei den Bewohnern für massiven Widerstand. In dem folgenden Beitrag erläutert Guido Gerd Jülich, warum die Verlagerung des Massenevents mit bis zu 60.000 Besuchern eine Gefahr für das mühsam sanierte Stadtzentrum darstellt und weshalb er die Pläne als respektlos gegenüber der Leistung der Bürger empfindet.

Stellungnahme zur geplanten Verlegung des Teltower Stadtfestes

Am vergangenen Mittwoch lud die Stadtverwaltung Teltow zu einer Anwohnerversammlung in den Stubenrauchsaal ein. Über 300 Einladungen waren zuvor in der Altstadt verteilt worden; etwa 40 bis 50 Personen folgten der Einladung und erwarteten gespannt die Informationen der Stadt. Thema waren die künftigen Feste in der Altstadt: Weinfest, Irischer Abend, Höfefest, Weihnachtsmarkt – und das Stadtfest. Letzteres soll nach Plänen der Verwaltung einmalig hier stattfinden, da in der Altstadt – anders als am bisherigen Standort im Techno Terrain (Rheinstraße) – die Absperr- und Sicherungsmaßnahmen einfacher und kostengünstiger umzusetzen seien.

Ich glaube der Stadtverwaltung durchaus, dass sie an diesem Nachmittag lediglich den Wunsch vorgetragen hat, das Stadtfest in der Altstadt zu feiern, und dass noch nichts endgültig entschieden ist. Viele andere im Saal waren jedoch skeptischer und machten dies in ihren Wortmeldungen deutlich.

Meiner Meinung nach ist allein die Idee, das Stadtfest in der Altstadt zu feiern, respektlos gegenüber den Bewohnern. Es waren die Altstadtbewohner selbst, die mit privatem Kapital, Fleiß und großem Engagement die Altstadt zu dem gemacht haben, was sie heute ist: eine Perle für Teltow, Schauplatz des beliebten Höfefestes, Standort des überregional bekannten Kunst-Sonntags und begehrter Drehort für die Filmindustrie. Dies sollte man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen oder auf dem Altar billiger Vergnügungen opfern.

Die Befürchtungen der Anwesenden sind mehr als berechtigt. Seit 2008 findet das Stadtfest in der Rheinstraße statt. Wer die Zeit davor in der Altstadt miterlebt hat, weiß: Neben der tagelangen Lärmbelastung bot die Altstadt nach dem Fest stets ein Bild des Jammers. Vermüllung, Graffiti-Schmierereien, betrunkene Personen, die sich überall erleichterten, sowie zerbrochene Scheiben und andere Sachbeschädigungen waren die Regel – die Verursacher meist nicht ermittelbar. Da damals viele Häuser noch unsaniert oder unbewohnt waren (auch das Haus des Unterzeichners war zu dieser Zeit noch eine Bauruine), störte dies niemanden ernsthaft. Heute stellt sich die Situation völlig anders dar.

Zudem habe ich die Besucher des Stadtfestes in den Anfangsjahren friedlicher in Erinnerung. Aus eigener Erfahrung und Berichten anderer weiß ich, dass mit zunehmender Dunkelheit und steigendem Alkoholpegel die Zahl gewaltbereiter Gruppen zunimmt. Polizeiberichte bestätigen, dass es im Umfeld des Festes immer wieder zu alkoholbedingten Auseinandersetzungen kommt. Warum sollte das plötzlich anders sein, wenn das Stadtfest in der Altstadt stattfindet? Wie will die Stadt dies verhindern? Mit einer Polizeipräsenz wie bei einem G7-Gipfel? An den Eingängen sollen zwar je zwei Security-Mitarbeiter kontrollieren, doch bei einem der größten Volksfeste Brandenburgs werden bis zu 60.000 Besucher erwartet.

Wurde dabei auch an die vielen Haustiere gedacht, die dem Lärm und dem Feuerwerk schutzlos ausgesetzt sind? Und muss dieser historische Tag der deutschen Geschichte wirklich mit Jahrmarkt-Rummel und Bierbuden begangen werden? Gäbe es nicht würdevollere Möglichkeiten, an die Wiedervereinigung zu erinnern – etwa durch einen Festumzug, eine Illumination der Altstadt oder ein Fest im Zeichen der Demokratie und des gesellschaftlichen Zusammenhalts?

Die Stadt läuft Gefahr, das Vertrauen der Altstadtbewohner zu verspielen, die bisher bereitwillig ihre Grundstücke für Besucher geöffnet haben. All diese Fragen müssen sich die Stadtverwaltung und die Stadtverordneten beantworten. Es wäre keine Schande, das Fest in diesem Jahr ausfallen zu lassen, um 2027 mit einem neuen Konzept am alten Standort in der Rheinstraße zu starten. Dass ein Ausfall der Stadt nicht schadet, hat das Pandemie-Jahr 2020 bereits gezeigt. Unsere Altstadt ist räumlich und strukturell schlicht ungeeignet für ein Massenevent dieser Größenordnung.

Guido Gerd Jülich

Bild: Symbolbild    (Foto Pixabay)

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