Weichenstellung für die Infrastruktur

Stahnsdorf führt neue Prioritätenliste für den Straßenbau ein

STAHNSDORF.    Schlaglöcher, unbefestigte Sandpisten und ein wachsender Sanierungsstau auf der einen Seite, steigende Einwohnerzahlen und knappe Haushaltskassen auf der anderen: Die Gemeinde Stahnsdorf steht beim Thema Infrastruktur vor großen Herausforderungen. Um den Ausbau und die Sanierung der kommunalen Verkehrswege künftig effizienter, gerechter und nachvollziehbarer zu gestalten, hat die Verwaltung nun ein systematisches Verfahren entwickelt. Eine neue Prioritätenliste soll als strategischer Kompass für die kommenden Jahre dienen.

Das Konzept, das von Fachbereichsleiter Frank Piper erarbeitet wurde, erstreckt sich dabei nicht nur auf den Kernort Stahnsdorf, sondern bindet auch die Ortsteile Güterfelde, Schenkenhorst und Sputendorf vollumfänglich ein. Das erklärte Ziel der Gemeinde: Schluss mit politischen Einzelfallentscheidungen – her mit einer transparenten, objektiven und für jeden Bürger nachvollziehbaren Reihenfolge bei anstehenden Straßenbaumaßnahmen.

Grundlage des neuen Systems ist eine umfassende und detaillierte Bestandsaufnahme des gesamten kommunalen Straßennetzes. Statt nach Gefühl zu entscheiden, welche Straße zuerst saniert wird, greift die Verwaltung künftig auf eine mathematische Bewertungsmatrix zurück. In diese fließen verschiedene, gewichtete Kriterien ein:

  • Der Ist-Zustand: Wie stark ist die Substanz der Straße bereits geschädigt?
  • Die Nutzungsintensität: Wie viele Anlieger nutzen die Straße täglich?
  • Die Verkehrsbedeutung: Handelt es sich um eine wichtige Hauptachse, einen Verkehrsknotenpunkt, einen Schulweg oder eine Strecke des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV)?
  • Technische Synergien: Liegen ohnehin geplante Arbeiten für neue Leitungen (Wasser, Gas, Strom oder Breitband) vor?

Durch die Verknüpfung dieser Daten ergibt sich eine klare Rangfolge. Der Fokus liegt dabei ganz deutlich auf dem Substanzerhalt. Der Schutz und die Reparatur bestehender Straßen haben im Sinne der Wirtschaftlichkeit Vorrang vor kostenintensiven Neubauprojekten.

Der finanzielle Rahmen für die Umsetzung der Liste bleibt eng an den jährlichen Gemeindehaushalt und die Verfügbarkeit von Fördermitteln gekoppelt. Während klassische Erschließungsmaßnahmen (wie der erstmalige Ausbau einer Sandstraße) anteilig durch Beiträge finanziert werden, setzt die Gemeinde bei reinen Ausbaumaßnahmen verstärkt auf Fördertöpfe und den sogenannten Mehrbelastungsausgleich.

Um das Geld der Steuerzahler optimal einzusetzen, setzt Stahnsdorf auf das Prinzip „Alles aus einer Hand“: Wenn eine Straße aufgerissen werden muss, sollen Straßenbau und Leitungsarbeiten im Idealfall gebündelt stattfinden. Das spart nicht nur erhebliche Kosten, sondern verkürzt auch die Zeit, in der Anwohner mit Baulärm und Sperrungen leben müssen.

Ein besonders sensibler Punkt beim kommunalen Straßenbau ist seit jeher die Kommunikation mit den Betroffenen. Hier will Stahnsdorf mit einem klar strukturierten, fünfphasigen Anliegerbeteiligungsverfahren neue Maßstäbe in Sachen Transparenz setzen. Der Ablauf sieht wie folgt aus:

  1. Information: Frühzeitige Unterrichtung der Anwohner über anstehende Pläne.
  2. Versammlungen: Direkter Austausch und Dialog im Rahmen von Bürgerversammlungen.
  3. Digitale Beteiligung: Online-Plattformen ermöglichen es Bürgern, Hinweise und Fragen unkompliziert einzureichen.
  4. Bauprogramm: Verbindliche Festlegung der baulichen Details unter Berücksichtigung des Bürger-Feedbacks.
  5. Baustellenmanagement: Enge Begleitung und Ansprechpartner während der gesamten Bauphase.

Wie sieht die Praxis aus? Ein fiktives Beispiel

Wie das System greift, lässt sich an einem einfachen Beispiel verdeutlichen: Eine stark beschädigte Straße, die gleichzeitig als Schulweg dient, eine hohe Anzahl an Anwohnern aufweist und bei der die Stadtwerke ohnehin die Trinkwasserleitungen erneuern müssen, rutscht in der Prioritätenliste automatisch ganz nach oben. Die Anwohner einer solchen Straße werden künftig als Erste digital und vor Ort informiert, in die Planung einbezogen und erleben im Idealfall eine gebündelte, zügige Baustelle.

Damit das neue Verfahren rechtssicher angewendet werden kann, empfiehlt die Verwaltung der Gemeindevertretung dringend die Zustimmung zur neuen Bewertungsmatrix sowie die feste Verankerung des Beteiligungsverfahrens. Da sich eine Gemeinde jedoch dynamisch verändert, soll die Prioritätenliste kein starres Konstrukt bleiben: Eine Fortschreibung und Überprüfung der Daten ist im Rhythmus von etwa fünf Jahren fest eingeplant.

Die Entscheidung liegt nun bei den Gemeindevertretern. Stimmen sie zu, bricht für Stahnsdorfs Straßenbau ein neues Zeitalter der Planungssicherheit an.

PM/Kü

Bild: Symbolbild   (Foto Pixabay)

 

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