Wohnungsbau im Krisenmodus
Kleinmachnow zieht die Reißleine
KLEINMACHNOW. Eigentlich war alles bereit für den dringend benötigten Wohnraum im Ort. 34 neue Wohnungen sollten an der Förster-Funke-Allee neben dem Bio-Markt entstehen. Die Baugenehmigung lag bereits vor. Doch nun steht das gesamte Vorhaben vorerst auf der Kippe. In einer aktuellen Mitteilung gab die kommunale Wohnungsgesellschaft gewog bekannt, die bisherigen Pläne komplett zurückzustellen.
Als Grund nennt das Unternehmen die massiv gestiegenen Baukosten der letzten Monate. Eine wirtschaftliche Umsetzung sei unter den aktuellen Bedingungen nicht mehr verantwortbar. „Wir wollen Lösungen entwickeln, die bezahlbare Mieten ermöglichen und langfristig wirtschaftlich tragfähig sind“, begründet gewog-Geschäftsführerin Katja Schmidt den drastischen Schritt. Bei den derzeitigen Baupreisen wäre das unmöglich gewesen – die Mieten hätten astronomische Höhen erreichen müssen, um die Kosten wieder einzuspielen.
Ein endgültiges Aus für das Grundstück soll der Stopp allerdings nicht sein. Die Gemeinde und ihr Wohnungsunternehmen halten an dem Ziel fest, dort Wohnraum zu schaffen. Die gewog will die Zwangspause nun nutzen, um das Projekt radikal umzuplanen und die Kosten zu drücken.
Hinter den Kulissen wird bereits an allen Stellschrauben gedreht. Auf dem Prüfstand stehen:
- Kleinere Wohnungen: Anpassungen der Wohnungszuschnitte, um mehr Effizienz auf weniger Raum zu bieten.
- Weniger Öko-Luxus? Veränderungen beim energetischen Standard, da maximale Effizienzhäuser im Bau extrem teuer sind.
- Alternative Modelle: Neue Finanzierungs- und Betreibermodelle sollen frisches Geld oder günstigere Konditionen bringen.
Einen konkreten Zeitplan, wann an der Förster-Funke-Allee die Bagger rollen, gibt es allerdings nicht mehr. Der Ausgang ist völlig offen.
Der Fall Kleinmachnow ist kein Einzelfall, sondern symptomatisch für eine ganze Branche – und er legt den Finger in die Wunde der aktuellen Wohnungsbaupolitik. Wenn selbst eine kommunale, nicht gewinnorientierte Gesellschaft wie die gewog kapituliert, wer baut dann überhaupt noch für Menschen mit kleinerem Geldbeutel?
Die Entwicklung zeigt ein Paradoxon auf: Einerseits fordert die Politik vehement mehr bezahlbare Wohnungen und setzt gleichzeitig die Standards für Energieeffizienz und Klimaschutz immer höher. Andererseits laufen die Material- und Handwerkerkosten völlig aus dem Ruder. Wenn das Bauen pro Quadratmeter so teuer wird, dass selbst die Subventionen des Landes die Lücke nicht mehr schließen können, ist das Ziel des sozialen Wohnungsbaus schlicht nicht mehr zu erreichen.
In Kleinmachnow will man nun parallel andere Grundstücke prüfen und priorisieren. Ob sich dort die Gesetze des Marktes aushebeln lassen, bleibt jedoch fraglich. Die Krise im Wohnungsbau hat die Provinz endgültig erreicht.
PM/Kü
Bild: Symbolbild (Foto Pixabay)


