Ein Abend, an den man sich noch lange erinnern wird

Informationsveranstaltung zum Thema Green Park

STAHNSDORF. Szenen wie diese erlebt das Stahnsdorfer Rathaus nur selten: Ein bis auf den letzten Platz gefüllter Sitzungssaal, Menschentrauben auf den Fluren und eine Atmosphäre, die vor politischer Spannung förmlich knisterte. Rund 200 Bürgerinnen und Bürger waren gekommen, um dem Vortrag der Bürgerinitiative (BI) GreenPark beizuwohnen. Das Thema: Die drohende Ansiedlung des Logistik-Riesen Prologis. Am Ende des Abends stand fest: Die Stimmung in der Gemeinde ist gekippt – und das Projekt steht vor dem parlamentarischen Aus.

Das Führungstrio der BI – Silvia und Sven Riedel sowie Heike Fischer – hatte für diesen Abend tief gegraben. Mit einer akribisch vorbereiteten Präsentation demontierten sie die Argumente der Projektbefürworter Stück für Stück. Im Zentrum der Kritik standen die drei geplanten Mammut-Hallen auf dem Gelände des Green Parks.

Die BI legte dar, dass die Dimensionen des Vorhabens unweigerlich zu einem massiven Anstieg des Schwerlastverkehrs führen würden. In einem Ort, dessen Verkehrswege bereits heute an der Belastungsgrenze operieren, wirkten diese Prognosen wie ein Alarmsignal. Besonders eindringlich: Die BI entlarvte die Hoffnung auf sprudelnde Gewerbesteuereinnahmen durch Logistik-Ansiedlungen als „ökonomische Illusion“. Solche Unternehmen, so der Tenor, brächten oft mehr Kosten für die Infrastruktur mit sich, als sie am Ende in die Gemeindekasse einzahlten.

Die politische Verteidigung des Projekts wirkte an diesem Abend fast schon isoliert. Frank Schütze (SPD) übernahm die undankbare Rolle, zu erklären, warum man dennoch an einer Beschlussvorlage festhalte, die Prologis den Weg ebnen sollte. Doch die Resonanz im Saal war eindeutig: Die Bürger wollen keine Logistik-Drehscheibe vor ihrer Haustür.

Auch die Nachbargemeinden schauen mit Sorge auf Stahnsdorf. Vertreter umliegender Kommunen meldeten sich zu Wort und warnten vor den grenzüberschreitenden Auswirkungen der Verkehrsströme. Diese Solidarität unterstrich die regionale Tragweite der Entscheidung.

Der Abend zeigte unmittelbare Wirkung auf die Fraktionen. Susanne Köhler (SPD) räumte offen ein, dass die präsentierten Informationen ihre bisherige Haltung ins Wanken gebracht hätten und ihre finale Entscheidung maßgeblich beeinflussen würden. In der AfD-Fraktion scheint die Ablehnung nach dem Fakten-Check einhellig zu sein. In einer Presseerklärung erklärt man seine Ablehnung des Projekts. 

Besonderes Gewicht hatte das Urteil von Guido Zielke (CDU). Als Sprecher der Agenda-Gruppe Mobilität und anerkannter Experte stellte er unmissverständlich klar: Eine Zustimmung zu dem Projekt wäre eine bewusste Entscheidung für hausgemachte Verkehrsprobleme, die man so schnell nicht wieder loswerde.

Gegen Ende der Veranstaltung fasste der Gemeindevertreter Dr. Kupsch die Lage zusammen. Er sprach von „überwältigenden Tatsachen“, die einer Ansiedlung faktisch entgegenstehen. Für die Köpfe hinter der Bürgerinitiative GreenPark war der Abend ein voller Erfolg. Die monatelange Recherche und Vorbereitung scheint sich auszuzahlen: Die SPD zieht sich, wie gerade bekannt geworden ist, von der Beschlussvorlage zurück. Ob die CDU jetzt allein den Antrag aufrecht erhält, bleibt abzuwarten. Eine Mehrheit für die Pläne des Logistikers aber ist im Grunde ausgeschlossen. Stahnsdorf hat, so viel kann man sagen, an diesem Abend ein deutliches Signal gesendet: Lebensqualität und Verkehrsberuhigung wiegen schwerer als die Ansiedlung von Logistik-Riesen.

Bild: Präsentation der BI   (Foto Kü)

 

Facebook
Twitter
LinkedIn