Der Streik als Werbeveranstaltung fürs Auto

Ein Kommentar

Die aktuellen Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr, die auch die Region TKS (Regiobus Potsdam-Mittelmark) und die Anbindungen nach Berlin (BVG) massiv treffen, führen der Region ein altbekanntes Dilemma schmerzhaft vor Augen: Wer in Teltow, Kleinmachnow oder Stahnsdorf wohnt und arbeitet, ist im Alltag zwar zunehmend auf Bus und Bahn angewiesen, doch in Krisenzeiten bleibt oft nur der Rückzug ins private Fahrzeug. 

In einer Region, die stark durch Pendlerverkehr Richtung Berlin geprägt ist, bedeutet ein Streik aber nicht nur Unannehmlichkeiten, sondern oft einen kompletten Stillstand des Berufsverkehrs für diejenigen ohne Auto. Die Streiks zwingen die Menschen also dazu, ihr Auto „wiederzuentdecken“. Was als Ausnahmezustand beginnt, festigt in vielen Köpfen die Überzeugung, dass ein eigenes Auto trotz hoher Kosten die einzige Garantie für Mobilität ist. Und die Möglichkeiten, die das Auto bieten, werden durch den Stillstand bei Bus und Bahn wiederentdeckt.  

Der Streik torpediert somit unfreiwillig die Ziele der Verkehrswende. Wer wochenlang mühsam versucht hat, auf den Bus umzusteigen, wird durch den Streik zurück in den Stau auf der Potsdamer Chaussee oder der Autobahn gezwungen. Dies erzeugt Frust und fördert die Abkehr vom ÖPNV. Die Gewerkschaften Verdi betonen zwar, dass höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen notwendig sind, um den ÖPNV langfristig attraktiv zu machen. Doch kurzfristig führt der Arbeitskampf zu einem Imageverlust für Bus und Bahn, da die Zuverlässigkeit – das Hauptargument für den Umstieg – wegfällt. 

Die Streiks im TKS-Raum machen deutlich: Solange der ÖPNV nicht absolut verlässlich ist, bleibt das Auto für viele Pendler im Speckgürtel alternativlos. Der Streik ist daher ein Konjunkturprogramm für den Automobilverkehr und zeigt, dass das Vertrauen in den öffentlichen Nahverkehr ein zartes Pflänzchen ist, das durch solche Arbeitskämpfe schnell zertrampelt wird. Die Politik ist daher gefordert, in der Region TKS nicht nur über Streiks, sondern über die langfristige Sicherung von Mobilität zu sprechen, die nicht bei jedem Tarifkonflikt zusammenbricht.

Herzlich

Christian Kümpel

 

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