Identität am Autoheck

TELTOW.  Ein Stück Blech als Botschafter: In der Stadt Teltow wächst der Wunsch nach einem eigenen Kfz-Kennzeichen. Eine aktuelle Initiative im Bundesrat könnte den Weg für „TEL“ frei machen – und wirft die Frage auf, ob irgendwann auch die Nachbarn aus Stahnsdorf und Kleinmachnow nachziehen.

Wer in Teltow wohnt, fährt bisher mit „PM“ für Potsdam-Mittelmark durch die Lande. Doch geht es nach einem aktuellen Vorstoß der CDU-Fraktion, könnten die Bürger der Stadt bald die Wahl haben. Ein eigenes Unterscheidungszeichen soll nicht nur den Lokalstolz stärken, sondern Teltow auch als eigenständigen Wirtschafts- und Tourismusstandort direkt vor den Toren Berlins sichtbarer machen.

Die rechtliche Hürde: Der Paragraf 9 der FZV

Bisher war der Weg zum eigenen Kennzeichen steinig. Die Fahrzeug-Zulassungsverordnung (FZV) sieht neue Kürzel eigentlich nur vor, wenn neue Zulassungsbezirke entstehen oder wenn alte, durch Gebietsreformen verschwundene Kennzeichen (wie etwa „BEL“ für Belzig) reaktiviert werden. Da Teltow historisch kein eigenes Kreiskürzel hatte, blieb die Stadt bislang außen vor.

Doch das Blatt wendet sich: Am 6. März 2026 hat der Bundesrat eine Entschließung zur Liberalisierung der Kennzeichenvergabe gefasst. Die Bundesregierung wird darin aufgefordert, § 9 der FZV so anzupassen, dass künftig auch Kommunen innerhalb bestehender Landkreise neue Kennzeichen beantragen können – ohne dass ein historischer Bezug oder eine neue Kreisbildung vorliegen muss.

Das Prinzip der Wahlfreiheit

Die Stadtverwaltung Teltow hat bereits ein klares Konzept: Es soll keinen „Zwang“ geben. Ziel ist ein Wahlrecht. Wer sein „PM“ behalten möchte – insbesondere Gewerbetreibende mit großen Fuhrparks –, kann dies tun. Wer seine Verbundenheit zur Stadt zeigen will, greift bei der Neuzulassung zu „TEL“ (oder der Alternative „TLT“). Rechtlich wird dieser Beschluss unter eine „aufschiebende Bedingung“ gestellt: Die Umsetzung erfolgt erst in dem Moment, in dem der Bundesgesetzgeber die FZV offiziell ändert.

Domino-Effekt in der Region? Was ist mit Stahnsdorf und Kleinmachnow?

Mit dem Vorstoß Teltows stellt sich unweigerlich die Frage nach den Nachbarkommunen in der Region TKS (Teltow, Kleinmachnow, Stahnsdorf). Wenn die rechtlichen Schranken fallen, stellt sich die Frage: Könnten bald auch „SKN“ für Stahnsdorf oder „KLM“ für Kleinmachnow an den Ampeln zu sehen sein? Bei Stahnsdorf könnte es schwierig werden, solange man unter 20.000 Einwohner bleibt. Doch wenn noch einmal 3500 Personen nach Stahnsdorf ziehen?

Technisch wäre dann ein eigenes Kennzeichen durch die angestrebte Liberalisierung möglich. Jede Stadt oder Gemeinde könnte bei entsprechendem politischem Willen und ausreichend Einwohnerschaft sowie Zustimmung des Landkreises ein eigenes Kürzel beantragen. Kritiker warnen jedoch vor einem „Schilderwald“ und einem Identitätsverlust des Landkreises Potsdam-Mittelmark. Befürworter sehen darin hingegen eine zeitgemäße Form des Stadtmarketings.

Wie geht es weiter?

Der Ball liegt nun beim Bund, die FZV entsprechend zu novellieren. Sobald die gesetzliche Grundlage steht, könnte Teltow als Vorreiter in Brandenburg fungieren. Ob die Nachbarn in Kleinmachnow den „Kennzeichen-Trend“ aufgreifen, wird wohl Thema kommender Gemeindevertretungen sein. Und für Stahnsdorf ist die Idee vielleicht Ansporn, bald die 20.000-Einwohner-Marke zu erreichen. Mit dem Bau der S-Bahnstrecke sollte ein Bevölkerungszuwachs kein Problem sein. 

PM/Kü

Bild: Symbolbild   (Foto KI)

 

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