Quo vadis, Green Park?
Zwischen Planungsdruck und strategischer Weitsicht
Der Green Park in Stahnsdorf steht am Scheideweg. Während die Gemeinde nach der Absage an die Großlogistik den Neustart versucht, mehren sich die Stimmen, die unmittelbar nach dem Aufstellungsbeschluss des B-Plans eine fundierte Vorbereitung fordern.
Drei Kernpunkte müssen dabei diskutiert werden: die Rolle des Verkehrs, die Einbeziehung regionaler und lokaler Experten sowie ein Konzept zur künftigen Nutzung des Gewerbegebietes im Kontext des S-Bahn-Anschlusses.
Erst Gutachten, dann der Plan?
Ein zentraler Knackpunkt ist die zeitliche Abfolge der Planung. Kritiker mahnen, dass die Aufstellung des Bebauungsplans für ein derart großes Gebiet ohne ein aktuelles Verkehrsgutachten einem Blindflug gleiche. Dieses sollte deshalb aus Sicht von Fachleuten unmittelbar nach dem Aufstellungsbeschluss durch die Gemeinde beauftragt werden.
Stahnsdorf kämpft bereits jetzt mit einer hohen Verkehrsbelastung. Ein neu gefasstes Gewerbegebiet wird – selbst in neuer Form – zusätzliche Verkehre mit sich bringen. Ein Verkehrsgutachten müsste klären: Kann die bestehende Infrastruktur der Belastung standhalten? Welche Erschließung wäre nötig, um angrenzende Wohngebiete zu entlasten? Und wie verändert insbesondere die geplante S-Bahn-Verlängerung das örtliche Verkehrsaufkommen?
Ohne die Beantwortung dieser Fragen und die entsprechenden Daten besteht die Gefahr, dass ein B-Plan festgesetzt wird, der später aufgrund verkehrlicher Engpässe nachgebessert werden muss – ein teurer und zeitintensiver Prozess.
Brainstorming als Fundament
Ein weiterer Vorwurf lautet: Die Planungsdiskussion findet zu sehr ohne Fachleute statt. Gefordert wird nach dem Aufstellungsbeschluss zum B-Plan ein unmittelbarer Ideenaustausch unter Beteiligung der Handwerkskammer, der Industrie- und Handelskammer, der Wirtschaftsförderer, der zuständigen Kommunalverbände sowie des regionalen Gewerbevereins und Vertretern der Verkehrsagenda-Gruppen aus den TKS-Gemeinden und dem Umland.
Die Vorteile einer frühen Beteiligung liegen auf der Hand:
- Praxisnähe: Welche Flächenzuschnitte und Infrastrukturen (Glasfaser, Ladezonen) sind heute Standard?
- Akzeptanz: Wenn die regionale und lokale Wirtschaft frühzeitig eingebunden wird, steigt die Identifikation mit dem Projekt.
- Expertise: Die Akteure können einen wesentlichen Beitrag zur Bedarfsanalyse lokaler Betriebe sowie potenzieller Neuansiedler leisten.
Der S-Bahn-Faktor: „Wer will in den Green Park der Zukunft?“
Die wohl spannendste Frage betrifft das Profil der künftigen Ansiedlung. Mit der geplanten S-Bahn-Anbindung verändert sich der Standortcharakter Stahnsdorfs fundamental. Der Green Park wird vom reinen „Gewerbehof am Stadtrand“ zum attraktiven, schienengebundenen Standort im Speckgürtel Berlins.
Das könnte das Interesse völlig neuer Branchen wecken:
- Wissensbasierte Dienstleister: Start-ups und IT-Unternehmen, deren Mitarbeiter auf den ÖPNV angewiesen sind.
- Forschung und Entwicklung: Labore oder Manufakturen, welche die Nähe zu den Wissenschaftsstandorten Potsdam und Berlin suchen.
- Moderne Handwerkshöfe: Urbanes Handwerk, das für Auszubildende und Fachkräfte durch die S-Bahn erreichbar bleibt.
- Co-Working und Hybrid-Flächen: Eine Mischung aus Büro und Werkstatt, die den „New Work“-Trend bedient.
Fazit: Der Green Park hat das Potenzial, ein Vorzeigeprojekt für modernes Gewerbe zu werden. Doch der Erfolg hängt davon ab, ob die Gemeinde den Mut aufbringt, die Planung auf ein solides Fundament aus harten Verkehrsdaten, dem Know-how der Wirtschaftsfachleute und einem zukunftsweisenden Konzept zu stellen. Daran sollten eigentlich alle gemeindlich Beteiligten ein Interesse haben.
Guido Zielke
Sprecher Agenda-Gruppe Mobilität Stahnsdorf
Bild: Symbolbild (Foto Pixabay)


