Weichenstellung für Stahnsdorfs Zukunft
Das Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaneutralität“
STAHNSDORF. Das Land Brandenburg hat mit dem „Zukunftspaket Brandenburg“ ein Sondervermögen geschaffen, das den Kommunen Mittel zur Verfügung stellt, die sie weitgehend eigenständig verplanen können. Für Stahnsdorf bedeutet dies konkret ein Budget von 5.269.320 Euro.
Der große Vorteil: Im Gegensatz zu üblichen Fördermitteln müssen diese Gelder nicht in einem komplizierten Antragsverfahren erkämpft werden. Der Abruf erfolgt über ein vereinfachtes Verfahren bei der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB). Die Gemeinde entscheidet selbst, wo der Schuh am meisten drückt – solange die Investitionen den gesetzlichen Vorgaben entsprechen.
Die Mittel sind jedoch an klare Bedingungen geknüpft:
- Zeitplan: Die Maßnahmen können ab dem 1. Januar 2025 starten. Wichtig ist die „50-Prozent-Hürde“: Bis zum 31. Dezember 2029 muss die Hälfte des Budgets bereits verausgabt sein. Die komplette Abrechnung muss bis 2042 erfolgen.
- Investitionscharakter: Gefördert werden echte Sachinvestitionen wie Hochbau (Schulen, Bürgerhäuser), Straßenbau, Digitalisierung oder der Erwerb von Grundstücken. Reine Instandhaltung oder Personalaufwendungen sind hingegen ausgeschlossen.
- Mindestgröße: Jedes Projekt muss ein Volumen von mindestens 50.000 Euro haben.
Das Herzstück der Planung aus Sicht der Verwaltung: Ein Bürgerhaus für „Stahnsdorf Ort“. Seit 2013 gibt es den Beschluss (B-13/093), die alte Feuerwache am Dorfplatz 2 in ein Bürgerhaus umzuwandeln. Während die Ortsteile Schenkenhorst, Sputendorf und Güterfelde längst über solche Treffpunkte verfügen, wartet der größte Ortsteil Stahnsdorf noch immer darauf, ein Bürgerhaus zu bekommen.
Durch den Umzug der Feuerwehr in die neue Wache im Jahr 2025 wird der Weg nun endlich frei. Die Verwaltung schlägt vor, einen erheblichen Teil des Sondervermögens – rund 2,4 Millionen Euro – für den ersten Sanierungsabschnitt zu verwenden. Konkret geht es um die alte Scheune aus dem Jahr 1897, die zuletzt als Fahrzeughalle diente. Mit der Sanierung des Dachs und dem Umbau der Gebäudehülle soll schrittweise ein modernes Begegnungszentrum entstehen.
Kritiker fragen sich allerdings, für wen das Bürgerhaus sein soll. Denn während es für die Bürgerhäuser in den Ortsteilen zumindest so etwas wie ein Nutzungskonzept gibt, gibt ist bis jetzt keine Bürgerversammlung geplant, um eine Bürgerbeteiligung zu initiieren. Dabei könnte man feststellen, ob es überhaupt Interesse in der Gemeinde gibt. Auch wäre interessant zu erfahren, was die Bürger sich als Nutzung vorstellen.
Ebenfalls eher seltsam: Der Verein Bürgerhaus Stahnsdorf e.V. scheint gar nicht mehr zu existieren. Der letzte Eintrag auf der Seite des Vereins ist von 2019. Dabei wäre doch jetzt der Moment, in Erscheinung zu treten. Doch es gibt keine Aktivitäten. All dies führt zu der Frage: Auf welcher Basis überhaupt ein Bürgerhaus entstehen soll? Allerdings scheint es schon so zu sein, dass man das Funktionsgebäude neben der alten Wache nutzt, zum Beispiel für eine Denksportgruppe.
Neben dem Bürgerhaus hat die Verwaltung auch eine Liste weiterer potenzieller Maßnahmen vorgelegt, die über das Sondervermögen oder im Rahmen der mittelfristigen Finanzplanung realisiert werden könnten:
- Lindenhofhort (D-25/001): Mit 1,3 Mio. Euro eine der Prioritäten für die soziale Infrastruktur.
- Straßenausbau: Hier stehen Großprojekte wie die Bergstraße (2,6 Mio. Euro) und die Mühlenstraße (1,3 Mio. Euro) im Raum.
- Lindenstraße: Die Umgestaltung nach der Abstufung zur Gemeindestraße wird auf 1,9 Mio. Euro geschätzt.
- Lebensqualität: Kleinere, aber wichtige Projekte wie die Tribüne am Sportplatz (120.000 Euro) oder die Pump-Track-Strecke (ca. 400.000 Euro) runden das Bild ab.
Im nächsten Bauausschuss am 28.04. werden die Ausschussmitglieder über die Ausgaben diskutieren. Die Veranstaltung ist öffentlich.
Kü
Bild: Symbolbild (Foto Pixabay)


