Auszeichnung für Firmen-Grün ausgebremst

Stahnsdorfer Fachausschüsse lehnen AfD-Antrag zu ökologischen Außenanlagen ab

STAHNSDORF.  Die gewerblichen Außenflächen in den lokalen Gewerbegebieten bergen ein enormes, oft ungenutztes Potenzial für den heimischen Artenschutz. Viele Firmenareale präsentieren sich nach wie vor stark versiegelt oder als pflegeintensive Rasen- und Schotterflächen, die lokalen Tierarten weder Nahrung noch Unterschlupf bieten. Um hier einen positiv besetzten, anreizbasierten Impuls zu setzen und unternehmerische Initiative im Sinne des Natur- und Heimatschutzes zu belohnen, brachte die AfD-Fraktion einen Antrag zur Stiftung einer jährlichen Ehrenmedaille für umweltgerechte Außenanlagen in die Gremien ein. Doch das Vorhaben scheiterte bereits in der Vorberatung: Sowohl der Bauausschuss als auch der Sozialausschuss lehnten die Initiative ab.

Der abgelehnte Antrag sah vor, dass die Gemeinde Stahnsdorf eine jährliche Auszeichnung für ansässige Unternehmen ins Leben ruft, die sich in besonderem Maße um eine naturnahe, ökologische und artenschützende Gestaltung ihres Betriebsgeländes verdient gemacht haben. Statt auf Verbote oder ordnungsrechtliche Auflagen zu setzen, sollte die Medaille als Motivation dienen. Neben dem Schutz von Flora und Fauna versprachen sich die Initiatoren durch gezielte Entsiegelungsmaßnahmen auch positive Effekte auf das lokale Mikroklima und den Hochwasserschutz vor Ort.

Für die Vergabe der Ehrenmedaille definierte die Fraktion vier zentrale und messbare Bewertungskriterien:

  • Bienenschutz & Insektenförderung: Anpflanzung heimischer Blühwiesen, Verzicht auf Pestizide sowie die Bereitstellung von Nisthilfen (Insektenhotels).
  • Igelschutz: Schaffung von Durchlässen in Zäunen sowie das Belassen von Totholz- und Laubbereichen als wichtige Winterquartiere.
  • Vogelschutz: Anbringen von Nistkästen sowie die gezielte Pflanzung von Vogelschutzgehölzen und beerentragenden Sträuchern als Nahrungsquelle.
  • Entsiegelung: Rückbau von bestehenden Asphalt- oder Schotterflächen zugunsten von echten Versickerungsflächen, Rasengittersteinen oder Gründächern.

In den Sitzungen des Bau- und Sozialausschusses fand die Initiative jedoch keine Mehrheit. Als primäre Begründung für die Ablehnung wurde von den Ausschussmitgliedern angeführt, dass die lokale Agenda-Gruppe „Blühteam“ Stahnsdorf bereits im Bereich der ökologischen Beratung und Auszeichnung aktiv ist. Das ehrenamtliche „Blühteam“ unterstützt seit seiner Bestätigung als Agendagruppe durch die Gemeindevertretung im Jahr 2025 lokale Gartenbesitzer und vergibt in Zusammenarbeit mit der Verwaltung die offizielle Naturgarten-Plakette. Man sehe daher keine Notwendigkeit für ein weiteres, parallel laufendes kommunales Auszeichnungsformat.

Nach den Ausschusssitzungen bleibt jedoch ein politisches Geschmäckle zurück. Aus dem Umfeld der Antragsteller ist zu hören, dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Antrag primär aufgrund der einreichenden Fraktion abgelehnt wurde – ein in der Kommunalpolitik nicht unübliches Phänomen bei Anträgen der AfD, das oft unter dem Begriff der „Brandmauer“ diskutiert wird.

Zudem wirft die offizielle Begründung der Ausschüsse fachliche Fragen auf: Während die Agendagruppe „Blühteam“ mit ihren Beratungsangeboten und der Vergabe der Zaunplaketten ihren klaren Schwerpunkt auf den privaten Bereich (Grundstückseigentümer und Hobbygärtner) legt, zielte der abgewiesene Vorstoß explizit auf die oft großflächig versiegelten Areale der lokalen Wirtschaft und Gewerbegebiete ab. Eine diesbezügliche Anfrage an das „Blühteam“, inwieweit das Thema Gewerbegebiete dort aktuell überhaupt bedient wird, blieb vonseiten der Agendagruppe bislang unbeantwortet. Damit bleibt offen, ob das Potenzial für den Artenschutz auf den Stahnsdorfer Firmengeländen künftig über bestehende Formate aufgegriffen wird oder ob das Thema nach der Ausschuss-Absage vorerst ruht.

Kü

Bild: Symbolbild  (Foto Pixabay)

 

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