Supermarkt unterm Rasen

Kleinmachnows Bauprojekt an der Karl-Marx-Straße

KLEINMACHNOW.    Wer an der Karl-Marx-Straße 38–42 einkaufen geht, steht derzeit noch vor einem funktionalen, aber in die Jahre gekommenen Discounter-Bau. Doch hinter den Kulissen der Gemeindeverwaltung und in den Planungsbüros von Lidl nimmt ein Projekt Gestalt an, das für die Region Pioniercharakter hat: Der Discounter-Riese plant einen kompletten Neubau, der fast vollständig im Erdboden verschwindet.

Das Herzstück des Entwurfs ist die radikale Flächennutzung. In einer Gemeinde wie Kleinmachnow, in der Baugrund knapp und teuer ist, stößt die klassische Bauweise – ein flacher Markt mit riesigem oberirdischem Asphalt-Parkplatz – zunehmend an Grenzen.

Lidl reagiert darauf mit einem Untergeschoss-Konzept. Die eigentliche Verkaufsfläche wird unter das Straßenniveau verlegt. Damit die Kunden nicht das Gefühl haben, in einem dunklen Bunker einzukaufen, ist eine großzügige Glasfassade geplant, die natürliches Licht in die Tiefe leitet. Oberirdisch bleibt das Grundstück dadurch frei für eine kombinierte Nutzung aus Parkraum und ökologischen Ausgleichsflächen.

Das „grüne“ Parkdeck: Fokus auf Mobilitätswende

Ein zentraler Punkt der Planung ist die Gestaltung der Dachfläche des neuen Marktes. Diese soll nicht nur als Parkplatz für rund 50 bis 70 Pkw dienen, sondern architektonisch aufgewertet werden:

  • Begrünung: Ein Teil der Stellplätze soll durch ein Gründach überdeckt werden. Dies dient der Verschattung der Autos, reduziert die Hitzeinsel-Bildung im Sommer und verbessert das Mikroklima.
  • Fahrrad-Offensive: Da die Karl-Marx-Straße eine wichtige Verkehrsader für Radfahrer ist, sieht der Entwurf deutlich mehr Platz für Lastenräder und E-Bikes vor als gesetzlich vorgeschrieben. Damit will man dem fahrradfreundlichen Image der Gemeinde Rechnung tragen.

Obwohl das Projekt für seine innovative Herangehensweise gelobt wurde, gab es im Rathaus hitzige Diskussionen. Der Streitpunkt: Die Parkplatz-Zahl.
Die Stellplatzsatzung der Gemeinde Kleinmachnow ist streng. Ursprünglich wurden für ein Projekt dieser Größe etwa 73 Parkplätze gefordert. Die Planer von Lidl argumentierten jedoch, dass aufgrund der Lage viele Kunden zu Fuß oder mit dem Rad kommen, und sahen zeitweise nur 47 Plätze vor.

Im Juli 2025 machte die Gemeindevertretung den Weg schließlich frei, indem sie einer Ausnahme von der geltenden Veränderungssperre zustimmte. Man einigte sich auf einen Kompromiss, der eine effiziente Bewirtschaftung der Fläche ermöglicht, ohne den umliegenden Kiez durch Parksuchverkehr zu belasten.

Der Neubau ist auch ein politisches Signal. Nach dem massiven Einbruch der Gewerbesteuereinnahmen (ein Minus von rund 41 Millionen Euro im vergangenen Jahr) ist die Gemeinde auf verlässliche Gewerbepartner angewiesen. Der neue Bürgermeister Bodo Krause (CDU/FDP) sieht in solchen Investitionen ein wichtiges Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Kleinmachnow.

Aktuell befindet sich das Projekt in der finalen Genehmigungsphase. Nachdem die rechtlichen Hürden im Gemeinderat genommen wurden, liegt der Ball nun bei der Bauaufsicht. Ein genauer Termin für den Abriss des alten Marktes steht noch nicht fest, Beobachter rechnen jedoch mit einem Baustart im Laufe des Jahres 2026.

Für die Anwohner stellt sich nun vor allem eine Frage: Wo wird während der mehrmonatigen Bauzeit eingekauft? Gerüchte über einen Interims-Standort halten sich hartnäckig, eine offizielle Bestätigung durch Lidl steht hierzu jedoch noch aus.

PM/Kü

Bild: Symbolbild   (Foto Pixabay)

 

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