Sind Sie auch am Schicksal des Wals in der Wismarer Bucht interessiert? Vermutlich, weil sie die Parallelen erkennen. Ich rede von Deutschland. Es ist schon ein Kreuz mit der Größe. Da schiebt man sich jahrelang als majestätischer Gigant durch die Weltmeere und gilt als unkaputtbar, so wie die bundesdeutsche Wirtschaft. Und dann? Falsch abgebogen bei der Globalisierung, die Strömung der Digitalisierung unterschätzt, fett geworden durch Krill vom Sozialamt und plötzlich liegt man da: auf der Sandbank der Bürokratie, den Bauch tief im Schlamm der EU-Zuständigkeiten.
Deutschland, der gestrandete Buckelwal der Weltwirtschaft. Ein imposanter Anblick, zweifellos, aber leider vollkommen manövrierunfähig.
Die Schaulustigen stehen am Deich und machen sich ihre Gedanken. Die einen rufen: „Er muss sich ohne Hilfe freischwimmen!“, während die anderen diskutieren, ob man für das Abspritzen des Wals mit Frischwasser erst eine Umweltverträglichkeitsprüfung der Unteren Wasserbehörde benötigt. Der Wal selbst stößt derweil klagende Laute aus. Und langsam schwinden seine Lebensgeister.
Es ist, als schauten wir uns selbst beim Verenden zu. Wenn wir nicht aufpassen, wird aber der Wal so zur neuen Nationalallegorie: Ein großes Tier, das im flachen Wasser nicht mehr vorankommt. Die Reste werden ausgestopft und kommen ins Museum.
Herzlich
Christian Kümpel