Belohnung fürs Aufräumen
Berlin führt 2026 das „BerlinPay“-System ein
BERLIN. Berlin gilt oft als eine der schmutzigsten Metropolen Europas – doch das soll sich ändern. Ab Sommer 2026 startet das Pilotprojekt „BerlinPay“, das den Kiez-Putz zum Erlebnis mit Mehrwert machen will.
Die Idee ist vom dänischen Vorbild „CopenPay“ inspiriert. In Kopenhagen konnten Touristen bereits im letzten Jahr kostenlosen Kaffee, Museumsbesuche oder Kajak-Touren ergattern, wenn sie Müll sammelten oder das Fahrrad statt das Taxi nutzten. Nun zieht Berlin nach: Die landeseigene Tourismusgesellschaft visitBerlin entwickelt derzeit ein ähnliches System für die Hauptstadt.
Das Konzept: Nachhaltiges Handeln wird zur Währung. Wer aktiv mithilft, die Stadt sauber zu halten, sammelt Punkte oder digitale Nachweise, die gegen attraktive Prämien eingelöst werden können.
- Die Aktionen: In der ersten Phase ab Sommer 2026 stehen besonders die Berliner Gewässer im Fokus. Wer Müll aus der Spree fischt oder bei organisierten Park-Reinigungen hilft, qualifiziert sich für die Belohnung. (Ein Neoprenanzug könnte dabei hilfreicher sein als die klassische Badehose.)
- Die Belohnungen: Geplant sind Rabatte in Cafés, freier Eintritt in Museen oder kostenlose Freizeitangebote. Ein Kaffee könnte etwa für einen Eimer (ca. 10–20 Liter) „Littering-Müll“ – also Zigarettenkippen, Plastik oder Kronkorken – ausgegeben werden. Das entspricht etwa einer Stunde Arbeit für ein Heißgetränk.
- Die Zielgruppe: Zunächst richtet sich das Programm primär an Touristen, die Berlin als nachhaltiges Reiseziel ansteuern. Ob die breite Masse der Besucher, die oft aus anderen Gründen kommt, tatsächlich Lust auf ökologische Arbeitseinsätze hat, bleibt abzuwarten.
Offiziell vorgestellt wird das Programm voraussichtlich im Mai 2026. Bis dahin sucht die Stadt nach weiteren Partnern – vom Kiez-Café bis zum großen Museum. Bisher sind allerdings noch keine konkreten Namen bekannt.
Psychologen sehen jedoch auch eine Gefahr: Die Berliner, die sich teils mit dem Müll in ihrer Stadt arrangiert haben, könnten ihr Verantwortungsgefühl komplett verlieren. Die Befürchtung: Man verlässt sich darauf, dass die Touristen den Dreck für ein Gratis-Ticket schon wegräumen. Sollte dieser Effekt eintreten, könnte sich die Stadt mit dem Projekt eher neue Probleme schaffen als alte lösen.
PM/Kü
Bild: Symbolbild (Foto Pixabay)


