Das Ende einer Illusion
Ein Kommentar
Es ist ein politisches Dogma, das nun mit der harten Realität des märkischen Schulalltags kollidiert: Die Vision der „Schule für alle“ erweist sich im Frühjahr 2026 mehr denn je als teure Sackgasse. Was auf dem Papier der UN-Behindertenrechtskonvention edel klang, hinterlässt in der Praxis ausgebrannte Lehrkräfte, überforderte Regelschüler und – am tragischsten – Kinder mit Förderbedarf, die in einem System ohne ausreichende Betreuung untergehen.
Die Anatomie des Scheiterns
Die Gründe für das Scheitern sind so vielfältig wie offensichtlich. Inklusion „zum Nulltarif“ war von Anfang an eine Fehlkalkulation. Es fehlt an allen Ecken:
- Personalnot: Ohne die notwendige Doppelbesetzung durch Sonderpädagogen wird Inklusion zur bloßen „Aufbewahrung“. Ein Regellehrer kann nicht gleichzeitig ein hochbegabtes Kind fördern und drei Kinder mit emotional-sozialem Förderbedarf bändigen.
- Räumliche Mängel: Viele Schulen sind baulich weder barrierefrei noch bieten sie die nötigen Rückzugsräume für Kinder, die im lauten Großklassen-Alltag kollabieren.
- Leistungsabfall: Die Sorge des Landeselternrats ist berechtigt. Wenn das Tempo im Klassenverband massiv gedrosselt werden muss, bleibt das Leistungsprinzip auf der Strecke.
Die Rolle der AfD in der Debatte
In dieser aufgeheizten Stimmung sieht sich die AfD in Brandenburg bestätigt. Ihre Position ist seit Jahren unverändert und gewinnt nun an Resonanz: Sie fordert die Rückkehr zum bewährten Förderschulsystem als Regelfall. Aus Sicht der AfD ist die Inklusion ein „ideologisches Experiment“, das zulasten der Begabtenförderung und der Disziplin an Schulen geht. Während andere Parteien noch über Nachbesserungen diskutieren, verlangt die AfD ein klares Ende des gemeinsamen Lernens bei geistigen oder verhaltensbedingten Einschränkungen, um die „Homogenität der Lerngruppen“ wiederherzustellen.
Die deutsche Sturheit: Einmal eingeschlagen, nie korrigiert?
Doch trotz der erdrückenden Beweislast für das Scheitern zeigt sich ein typisch deutsches Phänomen: Die politische Unfähigkeit zur Umkehr. In der Bundesrepublik gilt oft die ungeschriebene Regel, dass ein einmal eingeschlagener Weg – egal wie steinig oder falsch er sich erweist – nicht mehr verlassen wird. Man „optimiert“, man „evaluiert“ und man „modifiziert“, aber man gibt Fehler nicht zu.
Die neue Koalition aus SPD und CDU in Potsdam versucht zwar den Spagat, indem sie Förderschulen erhält, hält aber formal am Leitbild der Inklusion fest. Zu groß ist die Angst, als „unmodern“ oder „verfassungsfeindlich“ zu gelten. So wird das System wahrscheinlich weiter gewurstelt: Man steckt mehr Geld in ein löchriges Fass, anstatt den Mut aufzubringen, einzugestehen, dass die pauschale Inklusion die Schulen strukturell überfordert hat.
Fazit: Brandenburg leistet sich ein System, das niemanden glücklich macht. Die Ideologie siegt über die Pädagogik, während die Leidtragenden am Ende die Kinder sind – egal, welchen Förderbedarf sie haben oder nicht haben.
Herzlich
Christian Kümpel


