Freiheit und Fernsteuerung

Das Crawler-Paradies am Priesterweg

GÜTERFELDE.   Wenn kleine Reifen auf raue Umgebung treffen und Elektromotoren leise gegen den Widerstand der Schwerkraft summen, dann ist „Crawler“-Zeit. Am Rande von Güterfelde, auf dem Gelände einer ehemaligen Schießanlage, trifft sich eine eingeschworene Szene, um den Alltag hinter sich zu lassen. Doch die Idylle am Priesterweg birgt eine versteckte Gefahr.

Von weitem sieht es aus wie ein gemütliches Picknick, doch wer genauer hinsieht, erkennt die Präzision: Mit feinfühligen Bewegungen an den Fernsteuerungen manövrieren die Fahrer ihre Miniatur-Geländewagen über Stock, Stein und Ruinen. „Crawler“ heißen diese speziellen Automodelle, die für Geschwindigkeit nichts übrig haben – hier zählt allein die Geschicklichkeit.

Einer von ihnen ist Karl-Heinz. Er ist extra aus Berlin-Pankow angereist, um seinen blauen Crawler durch das unebene Terrain zu steuern. Während die echten Autos auf der nahen Straße vorbeirauschen, findet Karl-Heinz hier oben seine Ruhe. „Das Fahren hilft mir beim Entschleunigen“, sagt er, während sein Wagen Zentimeter für Zentimeter eine steile Kante erklimmt.

Er ist nicht allein. Auf dem Parkplatz am Priesterweg mischen sich die Kennzeichen: Das Berliner „B“ dominiert zwar, doch auch „TF“ für Teltow-Fläming und Kennzeichen aus der weiteren Umgebung sind vertreten. Die Szene ist mobil – für ein gutes Gelände nehmen die Fans weite Wege in Kauf. Immerhin: Wer einsteigen will, muss investieren. Unter 200 Euro ist bei den Profi-Modellen kaum etwas zu machen.

Doch so entspannt die Stimmung unter den Fahrern auch ist, der Ort selbst ist tückisch. Das Gelände der ehemaligen Schießanlage ist gezeichnet von Verfall. Besonders der imposante, aufgemauerte Kugelfang aus alten Backsteinen bietet zwar eine spektakuläre Kulisse für die kleinen Offroader, ist aber längst zum Sicherheitsrisiko geworden.

Der Zahn der Zeit nagt an den Fugen, die Ziegel sind brüchig. Wer hier nach der besten Kameraperspektive für sein Modellauto sucht, lebt gefährlich: Jeden Moment könnte sich ein Stein lösen und herabstürzen. Es ist ein Hobby auf eigene Gefahr – und eine Mahnung an jeden Besucher, den Blick nicht nur auf das Modell, sondern auch nach oben zu richten.

In Güterfelde bleibt die Welt am Priesterweg vorerst ein Ort zwischen technischer Faszination und morbider Ruinenromantik. Ein Ort, an dem die Zeit für einen Moment stillzustehen scheint – solange die Mauern halten.

Bild: Symbolbild   (Foto Pixabay)

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